Handbuch der medicinischen Policei : nach den Grundsätzen des Rechsstaates, zu academischen Vorlesungen und zum Selbstunterrichte fur Ärzte und Juristen / von J.H. Schürmayer.
- Schürmayer, Ignaz Heinrich, 1802-1881.
- Date:
- 1856
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Credit: Handbuch der medicinischen Policei : nach den Grundsätzen des Rechsstaates, zu academischen Vorlesungen und zum Selbstunterrichte fur Ärzte und Juristen / von J.H. Schürmayer. Source: Wellcome Collection.
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![bestehen fast zur Hälfte aus einem losten, geruchlosen, feilen Oele, einem eigenlhüm- liclien Salzmchle, welches durch Jod nicht geblaut wird, Schleim, Farbe- und vegeta- bilischem Faserstoll. Die Chocolade soll schon mit Ziegebnehl, Mennig und Zinnober versetzt vorge- kommen sein, weil man ihr durch diese Stoffe eine schöne rothbraune Farbe geben wollte. Häufiger ist übrigens die Verfälschung mit Meli] - und Kartoffelstärke. Um die erste Art von Betrug zu entdecken , zerreibt man die Chocolade auf einem Reibeisen und weicht sie im kaltem Wasser unter öfterem Umrühren auf. Die verfälschte Choco- lade hinlcrlässt einen reichlichen Bodensalz, der eine ziegelrothe Farbe besitzt, während bei der unverfälschten dieser Satz wenig beträgt, längere Zeit braucht, um sich zu bilden, und eine fahlgelbe Farbe besitzt. Den Satz kann man dann ehemisch noch näher prü- fen. — Um Verfälschungen durch Mehl oder Stärke zu entdecken, lässt man etwa 1 Lolh von der fragliehen Chocolade mit Vi Pfd. Wasser kochen, fillrirl die noch heisse Abkochung und setzt Jodtinclur hinzu. Bei reiner Chocolade entsteht eine bräunlich gelbe Färbung; bei der verfälschten aber eine mehr oder weniger intensiv blaue. §• 124. Nicht als Speise oder Getränke, aber als ein anentbehrlich gewordenes Zusatzmittel zu denselben verdient auch das Kochsalz die Aufmerksamkeit der Medieinalpolicei, da dasselbe erfahrnngsgemäss zufälligen und absichtlichen Verunreinigungen, die der Gesundheit der Geniessenden nachtheüig werden können, ausgesetzt sein kann. An merk. In Frankreich sind mehrmal Fälle vorgekommen, wo Kochsalz eine nicht unerhebliche Menge von Jodnatrium und sogar auch Arsenik (arsenige Säure) enthielt. Bei den Fällen erster Art war das Salz aus Varne-Soda, welche wegen ihres reichen Gehalls an Jodverbindungen zur fabriemässigen Darstellung des Jods benülzt wird, als Ncbenproduel gewonnen worden. Man erkennt eine solche Verunreini- gung dadurch, dass man 4 Loth des verdächtigen Salzes in fein zerriebenem Zu- stande mit G Loth starkem Weingeist digerirl, das Gemisch hierauf auf ein Filier bring), den Rückstand nochmal mit zwei Lolh Weingeist aussüsst, die weingeislige Flüssigkeit zum Trocknen verdunstet, den Rückstand in wenigem Wasser löst, diese Lösung mit etwas dünnem Slärkekleisler vermischt und zu dem Gemisch endlich Chlorwasser tropfen- weise unter Umrühren zusetzt. Beim Vorhandensein von Jod färbt sich das Gemisch, je nach der Menge des vorhandenen Jods blassrölhlich, violett oder blau. Dabei muss man sicli aber hüten, von vorne herein zu viel Chlorwasser anzuwenden, indem ein ein Uebersehuss desselben die Reaclion wieder aufhebt. — Die Verunreinigung des Kochsalzes mit Arsenik gibt sich sogleich zu erkennen, wenn die alkalisehe Flüssigkeit, welche mit Schwefelwasserstoff behandelt, mit reiner Salzsäure etwas übersättigt und lose bedeckt, an einem warmen Orte sich selbst überlassen wird. Bei Anwesenheil von Arsenik sammelt sich am Boden des Gefässes ein blass citrongelber Niederschlag an, woraus durch Erhitzen mit schwarzem Fluss auf die bekannte Weise sich metalli- sches Arsen herstellen lassen würde. Gutes Kochsalz muss übrigens weiss, trocken und in 3 Theilen kaltem Wasser zu einer klaren neutralen Flüssigkeil vollständig löslich sein. Ein unlöslicher Rückstand verrälh Gyps, Sand u. s. w., deren relative Menge meisl erkennen lässt, ob sie nur](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21004535_0129.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


