Ein Fall eines primären Tubenkarzinoms : Demonstration im Verein der̈ Arzte in Steiermark am 10. Mai 1907 / von W. Schauenstein.
- Schauenstein, W.
- Date:
- [1908]
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Credit: Ein Fall eines primären Tubenkarzinoms : Demonstration im Verein der̈ Arzte in Steiermark am 10. Mai 1907 / von W. Schauenstein. Source: Wellcome Collection.
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![Es wurde deshalb nach Lösung einiger Netzadhäsionen die rechte Tube knapp an ihrer Einmündung in den Uterus abgebunden und durchtrennt und nun versucht, den Tumor aus seinen Verwachsungen herauszupräpa- rieren. Infolge der Festigkeit der letzteren gelang dies aber nur teilweise, indem seine Wand im Bereiche des zystischen Teiles einriil und sich dabei' eine seröse, leicht blutig gefärbte Flüssigkeit, vermengt mit teils nekroj tischen Gewebsteilen, teils mit papillären Exkreszenzen entleerte. NacJ dem auf diese Weise ein großer Teil der Geschwulst entfernt war, gewanl man einen Überblick über das Verhalten der übrigen Beckenorgane. Mail sah, daß die linke Tube einen hühnereigroßen Hydrosalpinxsack bildete, del ebenfalls durch feste Adhäsionen im Becken fixiert wurde, so daß durcM ihn der Zugang zum Douglasschen Raum verlegt war. Nachdem aucll diese nach Unterbindung ihres Ansatzstückes am Uterus abgetragen war] konnte man darangehen, den zurückgebliebenen untersten Teil des Tuben-] tumors herauszupräparieren. Da es sich aber zeigte, daß er nicht nur mit] dem Rektum breit und innig verwachsen war, sondern daß er sich auch! in das Septum recto-vaginale vorschob, so wurde zuerst der Uterus nach! Unterbindung der uterinen Gefäße von der Scheide abgesetzt, um aun diese AVeise den Geschwulstrest von der hinteren Vaginalwand aus mit dem! Messer von der Rektalwand abzupräparieren. Dies gelang nun auch ohnd weitere Schwierigkeiten. Nachdem man durch die Beschaffenheit des exstir- pierten Tumors nicht zweifeln konnte, daß es sich um ein malignes Neo-| plasma handelte, so wurde nach der Entfernung desselben und des Uterus] das Becken nach vergrößerten Lymphdrüsen ausgetastet, welche jedoch! nicht gefunden wurden. Die große Wundhöhle wurde nun mit Jodoform-] gaze locker austamponiert und durch die Scheide drainiert, das Peritoneurm über dem Tampon durch Nähte vereinigt und die Bauchhöhle in üblicher AVeise durch Etagennähte geschlossen. Der Heilungsverlauf gestaltete sich vollkommen normal, so daß die» Patientin am 15. Tage nach der Operation geheilt die Klinik verlassen- konnte. Über das weitere Schicksal der Frau konnte ich nichts mehr] erfahren, da dieselbe inzwischen von Graz ohne Angabe ihres Wohnortes weggezogen war. Ich zeige Ihnen nun das Präparat, das, wie Sie aus der Operations- geschichte erfahren haben, nicht den Uterus mit seinen Adnexen in situ darstellt, sondern aus drei voneinander getrennten Teilen besteht: aus dem Uterus und den beiden Adnexen. Das Verhalten dieser einzelnen Teile zueinander kann ich Ihnen hier deshalb nur durch den bei der Operation gewonnenen Einblick in die Topograp>hie der Beckenorgane rekonstruieren. Der etwas vergrößerte Uterus fällt Ihnen durch seine eigenartigel Sanduhrform auf, indem die Zervix fast dieselbe Größe erreicht wie das Korpus uteri und von diesem in der Höhe des inneren Muttermundes durch eine deutlich sichtbare, tiefe Furche getrennt ist. Den peritonealen Überzug seiner vorderen und hinteren Wand bedecken zahlreiche abge- rissene Adhäsionsmembranen und -fäden. An der hinteren Zervixwand hängt der untere Teil des im Douglas gelegenen Zystensackes, welcher mit seinem Endstück über die Zervix hinaus nach abwärts mit der hinteren Vaginalwand in Zusammenhang steht, entsprechend seiner Ausbreitung in das Septum recto-vaginale. Seine Verbindung mit der Zervixwand ist eine flächenhafte und sehr innige. Die Sackwand selbst wird von einer derben, etwa 1—2 mm dicken, fibrösen Membran gebildet, deren Oberfläche glatt und teilweise mit Peritoneum überzogen ist. An ihrer sonst glatten Innen- fläche haften teils fibrinöse, teils nekrotische Fetzen. Während die linker Adnexe sowie die rechte Tube fehlen, indem sie knapp am Uterus abgetragen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22475229_0004.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


