Die Kur mit Obst (Trauben, Erdbeeren, Kirschen etc.), so wie mit Malzextrakt und Kräutersäften / von Dr Lersch.
- Bernhard Maximilian Lersch
- Date:
- 1869
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Credit: Die Kur mit Obst (Trauben, Erdbeeren, Kirschen etc.), so wie mit Malzextrakt und Kräutersäften / von Dr Lersch. Source: Wellcome Collection.
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![Nach Pircher ist die Traubenkur ein ausgezeichnetes Mittel bei Leber-Hyperämie in Folge von Pfortaderstörungen, Fettdege- neration der Leber bei Vielessern u. nament- lich bei Vieltrinkern (denen während der Kur die geistigen Getränke nicht mehr so gut schmecken), Leber-Hypertrophie von Herz- fehlern, Leber- u. Milz-Hypertrophie nach Wechselfiebern, chronischem Katarrh der Gallenwege mit Ikterus. Ausser den bereits erwähnten, von Klap- penfehlern abhängigen Hyperämien der Leber u. Muskatleber leistet nach Kaufmann die Traubenkur eine lange dauernde palliative Erleichterung auch bei den durch Emphysem bedingten; Leber-Hyperämien, die durchs Tropenklima hervorgerufen waren, heilten oft vollständig; Leber- u. Milz-Anschwellun- gen nach Wechselfieber theilweise; Ikterus durch Katarrh der Duodenalschleimhaut oder der Gallenwege wird mit gutem Erfolge be- handelt. Die Traubenkur soll in Leber- und Milzhypertrophien, die nach Wechsel- fieber zurückgeblieben, Gutes geleistet ha- ben.*) Führen wir noch ein Zeugniss aus einer altern Zeit an, nänilicli das von Desbois de liochefort (Mat. med. II, 115): „Le raisin est, d'apres Texperience de beaucoup de praticiens et la mienne propre, le meilleur fondant de la bile. II est tres bon dans le^ engorgements des visceres abdominaux, les jaunisses tres-rebelles, la fievre quarte avec engorgements du bas-ventre, surtout dans la maladie noire, l'hypochondrie et les ma- ladies cutanees, car c'est un excellent de- puratif; mais il ne faut pas le donner ä legere dose, il faut en faire son unique nourriture, en manger 10, 12, 15 livres par jour.„**) Curchod, Engelmann u. A. sehen mit Recht die Traubenkur zwar für unfähig an,grossartige Verhärtungen des Leberge- webes zu heilen; doch gibt es sehr ausge- sprochene Grade der chronischen intersti- tiellen Leberentzündang, auf welche die Trau- ben noch wohlthätig wirken, wie die folgenden Fälle, denen freilich die nöthigen Details fehlen, zu beweisen scheinen. Bezencenet (zu Aigle) liess eine arme Frau, die lange an einer bedeutenden Lebervergrösscrung behandelt worden war, 6 Wochen lang täg- lich 5 Pfand Trauben nehmen, worauf ihre ganze Krankheit verschwand. Ein junges Mädchen wurde wegen eines enormen Ascites punktirt, worauf man die harte Leber, welche sehr vergrössert war, fühlen konnte; auf den Rath von B. ass sie während mehrer Wo- chen so viel Trauben, als sie nur ertragen konnte; ihr Leberleiden verschwand völlig; sie heirathete u. wurde Mutter mehrerer Kinder; erst nach 25 Jaliren erlitt sie einen Rückfall, sie wurde aber wieder durch die Punktion u. ein sehr aktives Verfahren ge- heilt. Heber die Heilung einer Verhärtung der Eierstöcke s. Lilienfeld in Schmidt's Jahrb. 38. B. Pircher will bei Gebärmutter-An- schwellungen, besonders wenn diese mit Blutungen verbunden sind, gute Erfolge ge- sehen haben. Mit dem erwünschtetsten Erfolge hat man, wie Schirmer sagt, die Heilkraft der Traubenkur versucht bei der in Folge starker venöser Plethora mangelnden oder unge- nügenden Menstruation. Auch bei Weissfluss sind die Trauben empfohlen worden, wie denn gleicher Weise die Kirschen bei Schleimflüssen der Genitalien ein wohlthä- tiges Tonicum oder Solvens abgeben dürf- ten.***) In 2 Fällen von Albuminurie, der eine mit Aorteninsufficienz u. Oedem, der andere mit Lungentuberkulose com])licirt. nahm das Eiweiss im Harn ab u. verschwand das Oedem. (Kaufmann.) Es erinnert dies *) Dies stimmt mit der antipyretischen Wirkung der Fruchtsäuren, namentlich der Citronensäure. Manche erprobten Citronensaft bei Wechselfiebern; es war ein Volks- mittel, dagegen diesen Saft (6 Unzen) mit Kaffee oder Weingeist zu nehmen. (*Lah'ge Rem. transsylv.) Heilung eines Wechselfiebers mit Pomeranzen s. in *Wilbcrding De aurant., Heimst. 1741. **) Desbois führt angeblich einen Mann an, der lange Zeit an einem ünterleibs- leiden (alfection hypocondriaque) mit intermittirendem Fieber u. Auftreibung aller Unter- leibsorgane u. einem schrecklichen gelbschwarzen Teint litt; er wurde durch Trauben kurirt, wovon er bis 10 Pfund täglich in der Umgebung von Versailles zu sich nahm. ***) *Beda Weber sagt: „Die schwarze wilde Berglnrsche von Meran wird sehr geschätzt u. ihre säuerlichen Säfte bewirken oft bei fortgesetztem Gebrauche, besonders bei gewissen Frauenleiden, fast wundersame Heilung. Die Schlaff'heit der Eingeweide, die Unthätigkeit der Nerven, die Folgen der Bleichsucht werden dadurch beseitigt. Ueber- inässiger Genuss der Landkirsche verursacht leicht Durchfall u. Magenverderb.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22304691_0038.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)