Die Kur mit Obst (Trauben, Erdbeeren, Kirschen etc.), so wie mit Malzextrakt und Kräutersäften / von Dr Lersch.
- Bernhard Maximilian Lersch
- Date:
- 1869
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Credit: Die Kur mit Obst (Trauben, Erdbeeren, Kirschen etc.), so wie mit Malzextrakt und Kräutersäften / von Dr Lersch. Source: Wellcome Collection.
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![Stoffen (in abnehmender Reihe): Kali (über 300 Theile in zehntausend Theilen Saft), Kohlensäure (fast 200. theils aus organischen Stofl'en entstanden), Kalkerde (etwa 150), Chlorkalium (fast ebenviel), Schwefelsäure (über 100!), Magnesia (fast 80), Natron (über 30), Eisenoxyd (über 10!), Kieselerde, Spuren von Jod, Mangan u. Kupfer.*) Wir können nicht die Aschen-Analysen der einzelnen Pflanzen aneführen; nurüber die des viel gebrauchten Leontodon taraxacum wollen wir Einiges angeben. Trockene Blätter u. Stengel enthielten 7,3—7,9 Pro- zent Asche; diese Asche bestand in 100 Thei- len (A nach Winternitz, B nach Sprengel) aus: A B Kali 38,9 25,4 Natron 10,4 6,8 Magnesia 8,4 0,3 Kalk 20,0 15,3 Thonerde 0,5 2,3 Eisenoxyd 0,9 2,9 Chlor 2,7 8,8 Schwefelsäure 2,2 5,2 Phospliorsäure 7,8 2,4 Kieselsäure 7,0 30,7. So wenig die Aschenbestandtheile auch beiderseits übereinstimmten, ergibt sich doch, dass sie einen gewissen Antheil Kiesel- säure u. viel Kali in beiden Fällen enthielten. Der Reichthum der meisten Pflanzensäfte an Kali ist insofern merkwürdig, als die Kali- salze viel heftiger auf den Organismus ein- wirken, als die entsprechenden Natronsalze. (Vgl. S. 17.) Wirkungen auf gesunde Organis- men. Es ist nicht möglich von derartigen, nach Ort u. Zeit wechselnden Mischungen, wie die zu Kräuterkuren benutzten sind, viel Allgemeingültiges hinsichtlich ihrer Wirkun- gen auf den gesunden Organismus oder auf gesunde Körpertheile anzugeben. Nicht selten entsteht Abführen nach derartigen Kuren. Es erklärt sich dies aus dem reichlichen Gehalte vieler PÜanzensäfte an Salzen, namentlich an schwefelsauren. Jedoch tritt eine wirkliche Diarrhöe im An- fange der Kur ohne eine zufällige Nebeu- ursache nach Löffler fast nie ein, sondern meist eher Trägheit des Stuhlganges, ge- wöhnlich in den ersten zwei Dritteln, ja nicht selten durch die ganze Dauer der Kur, bis dann die kritischen Ausleerungen, die häufig durch gelindeLaxanzen herbeigeführt werden müssen, sich einstellen. Solche Ausleerungen wiederholen sich 2- bis 8ma]. Eigentliche Magenverderbniss entsteht nach Löffler fast nur, wenn Diätfehler vor- fallen oder wenn die Säfte, zumal die von sehr scharfstoffigen Kräutern zu lange fort- gebraucht werden oder contraindicirt waren. So hat er beim Gebrauche des Succus hb. chelidonii majoris sehr oft Magenverderbniss u. Verdauungsstörung beobaclitet. Magen- drücken u. Leibschneiden werden häufig durch Erkältung veranlasst. Uebelkeit, Druck, in der Herzgrube u. Erbrechen finden sich oft als Symptome der Sättigung zu Ende der Kur auf kurze Zeit nach jedesmaligem Ein- nehmen des Saftes ein... (Andererseits hat Löffler gesehen, dass viele Kranke mit ver- dorbenem Magen u. schlechtem Appetit durch die frischen Kräutersäfte [er nennt succ. ta- raxaci, rumicis, beccabungae, nasturtii, cere- tolii, millefolii, urticae, rutae] genasen u. anfingen nach Herzenslust zu essen. Denn gerade da, wo ohne bedeutende Krankheit, die Zunge fast immer belegt ist, dann u. wann der Appetit auch fehlt u. der Stuhl- gang unregelmässig ist, leisten nach Löff- ler die Kräutersäfte vortreffliche Dienste.) Die Thätigkeit der Nieren wird durch die Kräutersäfte vermehrt. „Der Harn erhält beim Gebrauche dieser Säfte häufig nicht nur einen fremdartigen u. meist viel stärkeren Geruch, sondern auch eine dunklere oder überhaupt ungewöhnliche Färbung u. macht beim ruhigen Stehen einen reichlichen, ver- schiedenartig gefärbten Bodensatz. (Löff- ler.) Alle Pflanzenkost enthält Alkali-Salze mit Pflanzensäuren verbunden, z. B. Kartoffel citronensaures Alkali, Runkelrüben weinstein- saures; darum macht Pflanzenkost den Urin alkalisch, indem die Pflanzensäure im Körper zu Kohlensäure verbrennt, welche mit dem Alkali in den Urin übergeht. Darum ist auch der Urin der pflanzenfressenden Thiere al- kalisch durch zweifach-kohlensaures Natron. Die Pflanzensäfte haben in dieser Hinsicht also Aehnlichkeit mit den Obstsäften, mit denen sie auch im Allgemeinen darin über- einstimmen, dass sie sauer reagiren, obwohl der Grad der Säure selten den der Frucht- säfte erreicht. Nach *ßeckert (Schrift über Hohen- stein, 1843) treten gewöhnlich bei länger fortgesetzter Kräuterkur exanthematische Erscheinungen auf der Haut ein, welche *) Da die Pflanzensubstanz nicht leicht über 200 Z.-T. Aschentheile enthält (s. S. 11), sind alle diese Ziflern wohl um das Zehnfache zu hoch. Die Original-Arbeit Molden- hauers liegt mir nicht vor. Vgl. Deutsche Klinik 1857, S. 233.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22304691_0052.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)