Neue Methoden der Wundheilung : ihre Bedingungen und Vereinfachung für die Praxis.
- Carl Ludwig Schleich
- Date:
- 1899
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Credit: Neue Methoden der Wundheilung : ihre Bedingungen und Vereinfachung für die Praxis. Source: Wellcome Collection.
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![c) Virulenz und Zahl der mykotischen Einzelindividuen. W die Nekrose und ihr die Gangrän, d. h. die Kadaverisation. Das ist im Ganzen wie in den Ttieilen, im Leben des Organismus insgesammt wie im Leben der Gewebe und Zellen. Damit soll durchaus nicht gesagt sein, dass für den Ablauf der Krankheit die Anwesenheit und die Eigenschaften der Mikroorganismen überhaupt nichts zu sagen hätten, dass sie stets harmlose Begleiterscheinungen seien. Man muss sich auf das Energischste dagegen verwahren, dass von den strengen Kontagionisten, um die Irrthümlichkeit unseres Gesammt- standpunktes darzulegen, solche die Bedeutung der Bakterien auch für den pathologischen Process an sich leugnende Unterstellung hier und da gemacht wird. Die bisher kleine Gemeinde derer, welche unter der Führung von Rosenbach, Hüppe, Liebreich und Gottstein ihre energischen Angriffe gegen die Einseitigkeit der Bakteriologie schon zu einer Zeit gemacht hat, zu welcher es noch muthig war, gegen den Strom zu schwimmen, während jetzt schon stolze Flaggen stromaufwärts gesteuert werden, ist sich darüber auch nicht einen Augenblick im Unklaren gewesen, dass Bakterien Wirkungen, und zwar recht gefährliche haben können (Liebreich). Sie hat nur stets geleugnet, dass ihre Anwesenheit allein genüge, um die Krankheit zu machen, und hat vielmehr das Umgekehrte als wahrscheinlich oder als „auch möglich nachzuweisen versucht, dass erst die Krankheitsursache da sein müsse, ehe die Bakterien ihre Wirkung entfalten könnten. Speciell für die Chirurgie liegen die Dinge so, dass eine Schwächung der Widerstandskraft im Gewebe vorhanden sein muss, ehe die Bakterien sich ansiedeln können, und dass zweitens die Richtung, in welcher die angesiedelten Bakterien sich fortbewegen, nicht allein durch ihre biologischen Eigenschaften (wie Virulenz und Bewegungsschnelligkeit [Fortpflanzung]) erklärt werden kann. Da eben bei verschiedensten pathologischen Processen stets dieselben Mykosen vorhanden sind, so muss man zwingend den Schluss machen, dass nicht diese Mykosen den Zustand des abnormen Verlaufes der Dinge verursachen, sondern dass auf den verschiedenen, lokalen und auf den sehr verschiedentlich desorganisirtem Nährböden der vielgestaltigen Krankheitsherde allerhand ähnliche Mikro- organismen ihr Fortkommen finden. Dann liegt z. B. die variirende Heftigkeit der Zersetzungen viel mehr auf dem Gebiet der anwesenden Rohmaterialien, der zersetzungsfähigen Zellsubstanz, als auf dem](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21208141_0029.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


