Anleitung zur Qualitativen und quantitativen Analyse des Harns : zum Gebrauche für Mediciner, Chemiker und Pharmaceuten / Neubauer ud Vogel.
- C. Neubauer
- Date:
- 1898
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Credit: Anleitung zur Qualitativen und quantitativen Analyse des Harns : zum Gebrauche für Mediciner, Chemiker und Pharmaceuten / Neubauer ud Vogel. Source: Wellcome Collection.
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![3. Schwefelsäure. A. Vorkommen. Die Schwefelsäure kommt im Harn in zweierlei Form vor, nämlich als solche, wie sie in den gewöhnlichen schwefel- sauren Salzen enthalten ist (Sulphatschwefelsäure) und als Aetherschwefel- säure, in Verbindung mit aromatischen Alkoholen, wie Phenol, Kresol, Indoxyl etc. Man pflegt die Sulphatschwefelsäure als A-, die in der Aetherschwefelsäure enthaltene als B-Schwefelsäure zu bezeichnen. An Gesammtschwefelsäure finden sich in der 24 stündigen Harnmenge des Erwachsenen bei gemischter Kost 1,5—3 g S03, sie steigt und fällt mit der Menge der im Körper umgesetzten Eiweisssubstanz. Die Schwefel- säure der Aetherschwefelsäuren macht beim Menschen ungefähr 0,1 der Gesammtschwefelsäure aus; ihre Menge ist starken Schwankungen'unter- worfen und in hohem Grade abhängig von der Art der Nahrung, von der Stärke der Darmfäulniss und von der direkten Zufuhr solcher aroma- tischer Körper, welche sich im Organismus mit der Schwefelsäure zu Aetherschwefelsäure vereinigen können. Unter Fleischkost enthält der Hundeharn nach Adrian1) ungefähr zweimal soviel Kresolätherschwefel- säure als Indoxylschwefelsäure. Nach der Verabreichung von viel In- doxyl (Baumann und Brieger-), bei der Vergiftung mit Phenol etc. kann die Sulphatschwefelsäurc ganz oder doch bis auf Spuren verschwinden. Dass der Harn ausser der Sulphatschwefelsäure noch Schwefel in anderer Form enthält, war bereits Berzelius3) bekannt; er lallte Harn mit salpetersanrem Baryt aus, verdampfte das Filtrat zur Trockne, glühte den Rück- stand nach Zusatz von salpetersaurem Baryt und fand in der Asche schwefelsauren Baryt auf. Denselben Nachweis führte später Reynolds4) selbstständig in fast gleicher Weise; nach seinen Bestimmungen macht der nicht als Sulphatschwefel- säure vorhandene Schwefel im Mittel 30% des gesammten Schwefels aus. Die Menge der im Harn erscheinenden Gesammtschwefelsäure hängt selbst- verständlich ab von der Menge und der Art der verdauten schwefelhaltigen Nahrungsbestandthoile. Von dem mit der Nahrung aufgenommenen Schwefel er- scheint nach Bugarszky5) beim Hund 52%, bei der Katze 66% als Schwefel- säure im Harn. — Nach den umfänglichen Untersuchungen von W. J. Smith0) wird unter den einfacheren schwefelhaltigen organischen Verbindungen nur der Schwefel der Thiosäuren (Carbaminthiosäure, Carbaminthioglykolsäure, nach Goldmann7) Cystin), und der Thioalkohole (Aetbylmercaptan) im Organismus (des Hundes) zu Sulphatschwefelsiiure oxydirt, der der Sulfonsäuren dagegen nicht. — Schwefligsaure Salze erscheinen nach innerlicher Verabreichung *) C. Adrian, Ztschr. f. physiol. Ch. 19. 134. 1894. 2) Baumann u. Brieger, Ztschr. f. physiol. Ch. 3. 255. 1879. 3) Berzelius, General Views etc. p. 64; Ueberblick etc. p. 65. (Vergl. Citat S. 11.) 4) E. Reynolds, Philos. Magazine [3] 30. 253; Journ. f. prakt. Ch. 41. 185. 1847. 5) Bugarszky, Közlemenyek 1. 33. 1894; Jahresber. f. Thierch. 1894. 275. c) William J. Smith, Pfiüger's Archiv 53. 481; 55. 541; 57.418; Ztschr. f. physiol. Ch. 17. 1 u. 459.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2040296x_0026.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)