Anleitung zur Qualitativen und quantitativen Analyse des Harns : zum Gebrauche für Mediciner, Chemiker und Pharmaceuten / Neubauer ud Vogel.
- C. Neubauer
- Date:
- 1898
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Credit: Anleitung zur Qualitativen und quantitativen Analyse des Harns : zum Gebrauche für Mediciner, Chemiker und Pharmaceuten / Neubauer ud Vogel. Source: Wellcome Collection.
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![welcher die Versuche ausgeführt wurden. Der Umstand, dass von Ritter und von Czapek nach Esbach immer weniger Eiweiss gefunden wurde, ist vielleicht gleichfalls darin zu suchen, dass bei diesen Versuchen die Temperatur hoher wat. als sie sein sollte (bei Czapek 20°); oder darin, dass die Albuminimeter für Eiweiss geaicht waren, das bei niederer Temperatur getrocknet wurde, als in den Bestimmungen von Bitter und von Czapek. Für eine auch nur einigermaassen befriedigende Bestimmung der absoluten Eiweissmenge ist das Esbach'sehe Verfahren also durchaus nicht brauchbar. Es lässt nur grobe Schätzungen zu, die kaum genauer ausfallen, als die Schätzung der Eiweissmenge nach der Höhe des bei der Kochprobe entstehenden Niederschlags. Wenn jedoch die Bestim- mungen nach Esbach immer bei derselben Temperatur und unter Einhaltung der übrigen Regeln vorgenommen werden, so wird mau er- fahren können, ob der Eiweissgehalt eines Harns zu- oder abgenommen hat; vernachlässigt man die Temperatur, so kann es allerdings ge- schehen, dass man die Eiweissmenge gegen früher vermehrt findet, wo sie in Wirklichkeit vermindert ist und umgekehrt. G-. Andere indirecte Methoden. 1. Die polar im otris oh e Bestimmung führt nur zu ungenauen Resultaten, weil der Harn bei Albuminurie in der Eegel zwei verschiedene Eiweiss- körper mit verschiedener speciflscher Drehung, nämlich [«]n = —63,6 für das Albumin und [o]d — ■— 47,8 für das Globulin nebeneinander enthält und weil der Harn Eigendrehung besitzt. Die Grenzen der Fehler, welche durch die Gegenwart dieser zwei Eiweisssubstanzen in einem optisch inactiven Lösungsmittel bedingt sind, lassen sich von vornherein feststellen. Bezieht man die beobachtete Drehung auf Albumin, so ist die Bestimmung selbstverständlich richtig, wenn die Lösung blos Albumin enthält; wäre dagegen blos Globulin zugegen, so fände man für 4.7 8 1 Albumin nur — = 0.751G Eiweiss, also 24,84% zu wenig. Der Fehler in 63,6 der Albuminbestimnmng bewegt sich also zwischen 0 und 24,84 %. Es Hesse sieh nun die Berechnung mit dem Mittel der beiden speeiiischen Drehungen, — 55,7, vornehmen; dann würde, wenn die Lösung nur Albumin enthielte, 14.18 0/o zuviel, und wenn sie blos Globulin enthielte, 14,18% Eiweiss zuwenig gefunden; der Fehler liegt also zwischen —14,18 und +14,18%. Der eiweissfroie Harn dreht nun gleichfalls links; betrüge die Drehung aD = — 0,1 und berechnete man das Eiweiss mit der Drehungsconstante für das Albumin, so fände man 0,16 g und bei der Berechnung mit der mittleren Drehung. 0.18 g Eiweiss in 100 cc zuviel. Man könnte daran denken, die beiden Eiweisskörper unter Berücksichtigung der Eigendrehnng des Harns gesondert polarimetrisch zu bestimmen; allein auch so gelangt man nicht zwm Ziele, weil sich nach meinen Erfahrungen die Eigen- drehnng des Harns bei der Abscheidung des Eiweisses ändert und zwar bei den verschiedenen Fällungsweisen in verschiedenem Grade. 2. Die maassanalytische Methode von Bödeker beruht darauf, dass Albumin in essigsamer Lösung durch Ferrocyankalium vollständig gelallt wird. Das Verfahren giebt nach Neubauer nur annähernde Resultate. Auch Thomas1) hat gefunden, dass wenn der Eiweissgehalt nicht 1,5—2% beträgt, die 1) Bödeker, Ann. d. Chem. u. Pharm. 111. 195. — L. Thomas, Schmidt's Jahrb. 120 171.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2040296x_0872.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)