Morbus hungaricus : eine medico-historische Quellenstudie, zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Türkenherrschaft in Ungarn / von Dr. Tiberius von Györy.
- Tibor Györy
- Date:
- 1901
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Credit: Morbus hungaricus : eine medico-historische Quellenstudie, zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Türkenherrschaft in Ungarn / von Dr. Tiberius von Györy. Source: Wellcome Collection.
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![den auf unser Klima bezugnehmenden Aufzeichnungen, welche in gleicher Weise von den Lippen unserer Feinde als Anklage, von denen unserer wohlwollendsten Freunde als Klage laut werden, können wir nicht zweifelnJ), so sehr gerne wir auch der patriotischen V er- teidigung Fuker’s gegen diese Anklagen Glauben schenken möchten. Fuker seufzt auf: „«Heisse Tage und kalte Nächte«“ — de quibus doctissime plurimo graece iuxta atque latine disserere avdias! Sed cpiis nescit, naturalem hunc ordinem esse?2). Doch hatte er nicht Recht. Der Feldchirurg Kramer führt an, dass die Luft in Ungarn so feucht ist, dass selbst in dem mit dreifacher Schichte überzogenen Zelte das Hemd der Schlafenden während der Nacht ganz nass wurde. Ende September waren die Abende schon sehr kühl, im Oktober stellte sich der erste Schnee ein und herrschten kalte Winde, von November bis Februar war eine grosse Kälte und die Schnee- decke lag viel höher als wo immer in Deutschland. Im März begann das Frühjahr und der Mai war schon sehr warm, die Monate Juli und August drückend schwül3). Alle diese Klagen wurden unter den Krankheitserregern des morbus hungaricus aufgezählt. An die plötzlichen Temperaturwechsel — wie dies bereits mehrere Autoren richtig- hervorheben — waren die Fremden nicht gewöhnt. Für sie waren diese unbedingt schäd- licher als für die acclimatisierten Eingeborenen. Nach Cobcrus genügt die Luft Ungarns an sich schon, das Leiden hervorzubringen. Seine eigene Erkrankuug schreibt er auch dieser zu; und von derselben sagt er „a summo vertice ad imos usque talos nil nisi morbus hungaricus eram.“ Aber nicht blos die Sumpfwässer, sondern auch die Flusswässer 1) Bios einige Beispiele wollen wir erwähnen! „Aer eniin Ungaricus . . . duobus extremis non assuetis infensissismus est: vel enim extreme crassus est, et nocte nebulis inspissatus: vel iis discussis, extreme subtilis ac aestate fervidissimus“. (Roth, 9). — „ . . . non negandum sit, in Hungaria peculiare quiddam ad hunc morbum producendum inveniri, praesertim in castris propter aerem, aquam, vinum Hungaricum.“ (Zaßff, 3). — „Hungaris suus Hungaricus pessimus aer, uti propter singulärem naturae consensum per est amicus, ita aliis gentibus est adversus, pestilens et vix tolerabilis.“ (Lansius, Consult. de provinciar. Europae inter se princip., pag. 466). — „Aer [seil. Hungaricus] impurus nebulosus humidus“ ('Gopc. 10). — „Assero et illud : solum aerem Pannonicum; crassum illum et picea fuligine inviscalum, pulmonibus puriori aurae assuetis, primo virus infundere.“ (Cob. I. 32). „Aerem enim ambientem, eumque Ungaricum, tot a natura a tibi e diametro contrarium, et hostilem, invisumque, . . . certo experieris.“ {Cob. I. 52). 2) Fuk. 27. 3) Kramer. Editio 1735 '41 — 143.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24853124_0017.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


