Morbus hungaricus : eine medico-historische Quellenstudie, zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Türkenherrschaft in Ungarn / von Dr. Tiberius von Györy.
- Tibor Györy
- Date:
- 1901
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Credit: Morbus hungaricus : eine medico-historische Quellenstudie, zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Türkenherrschaft in Ungarn / von Dr. Tiberius von Györy. Source: Wellcome Collection.
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![Ersteren wetteiferte auch jene der Feldchirurgen. Wie Langius behauptet, gingen im Jahre 1542 mehr Menschen infolge der Un- wissenheit dieser Chirurgen als unter dem Schwerte des Feindes zu Grunde1). Coberus bezeichnete unter ihnen die anabaptistischen Chirurgen und die Bader (balneatores) als die ärgste Sorte. Unter den verheerenden Factoren, welche er anführt, nehmen die Türken erst die fünfte Stelle ein. (In die erste Reihe stellt er den Mangel an Gottesfurcht.) Die Apotheken waren schlecht, schmutzig und gab es Niemand, der deren Handhabung verstanden hätte; nichtsdestoweniger mengten sich die Apotheker in die Behandlung2). Die Anführer entwickelten auch in Bezug auf die Medikamente unzulässige Sparsamkeit. In der kriegerischen Welt war ohnehin blos ein gewisser Teil der Medi- kamente brauchbar: jene, welche — wegen Mangels an Zeit — rasch bereitet werden konnten; und von diesen behufs Kostenerspar- nis auch nur ein Bruchteil. Die Sch wer verwundeten waren häufig der unmenschlichsten Behandlungsweise ausgesetzt; man liess sie einfach liegen3 *). Der Schauplatz glänzendster Triumphe der Unwissenheit war das Spital, das: „nosocomium castrense, magno consilio, maiore pietate, maximis sumtibus anno 1597 sapienter, pie, munifice con- stitutum“. Dasselbe war stets von einer Menge Leidender gefüllt. Diejenigen, welchen die Leitung anvertraut war, besassen so wenig Verständnis hierzu, dass sie es zu einem wahrhaften Friedhof ge- stalteten; es gab keinen von der Epidemie befallenen Menschen, der hier genesen wäre, aber auch die Gesunden: das ganze LIeil- und Pflegepersonal ging zu Grunde.5) 0 „Quäle de Pharmacopolis, tale de chirurgis quoque castrcnsibus fit iudicium.“ (Cob. I. 19.) „In sola huius morbi ctira millies chirurgicorum imperitia plures, quam hostis gladio interimi, sancte deierare ausim“. {Langius 23.) und nochmals: „Nam ausim libere deierare, quotanni aliquot hominum millia, praecipue in castris, illorum exicitiali errore perire“. {Idem 1043.) Eine Randbemerkung Langius’: „O du elende Brenne Wie viel Ertzte machstu zu Mördern.“ (1043.). 2) „Boni nostri milites, his praesidiis freti, non prius Medicos ad se vocent: quam bis vel ter experimentorum suorum [seil. Pharmacopolarum] peiiculum fecerint.“ (Cob I. 2;.) 3) „Iam decumbens . . . secundum castrense proverbium wer ligt der ligt neglectim haberetur.“ (Cob. III. 16.) Auch Gablman beklagt sich über die menschenunwürdige Be- handlung der Gefallenen. 5) „ neminem, plane neminem, testor fidem, in illo nosocomio Sanitätern recuperasse, sed omnes una cum astantibus. Medicis, Pharmacopolis, Chirurgis, Curatoribus,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24853124_0031.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


