Medicinisches aus der Geschichte / / von Dr Hermann Vierordt, Professor de Medizin an de Universität Tübingen.
- Vierordt, Hermann, 1853-1943.
- Date:
- 1910
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Credit: Medicinisches aus der Geschichte / / von Dr Hermann Vierordt, Professor de Medizin an de Universität Tübingen. Source: Wellcome Collection.
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![untersucht worden ^). 'Es^axen nur 20 Minuten Zeit zur Ver- fügung. Eine erste Exliumierung hatte 1863, also 36 Jahre nach dem Tode, stattgefunden, damals war auch vom Bildhauer A. Wiümann ein gutgelungener Gipsabguss des Schädels angefertigt worden. Die neueste Untersuchung konnte nur das »gut erhaltene Skelett des Obergesichtes samt einem grossen Teil des Stirnbeins«, sodann den im Verhältnis zum Oberkiefer kleinen Unterkiefer ver- werten. Von 16 Massen, die genommen wurden, seien erwähnt (s. a. u. p. 20): kleinste Stirnbreite 107 mm, ganze Gesichtshöhe iio, Breite des Augenhöhleneingangs rechts 43, links 41, Höhe des- selben r. und 1. 36, Nasenhöhe 49,2, grösste Breite der Nasenöff- nung 26,5, äussere Oberkieferbreite 58, Unterkieferbreite an den Winkeln 99 mm. Schön und ebenmässig im anatomischen Sinn war Beethovens Schädel keinesfalls, hervorzuheben sind an ihm: stark entwickelte Augenbrauenbogen, abgeflachte Stirnbein- schuppe ohne deutliche Stirnhöcker, auffallend grosse und asym- metrische Augenhöhleneingänge. Der Zwischenkieferanteil des Oberkiefers abgeflacht, ungewöhnlich kurz und sehr stark nach vorn geneigt, bedeutende »alveolare Prognathie«, die aber wäh- rend des Lebens nicht so auffallend zur Erscheinung gekommen ist. Trotz des mächtig entwickelten vorderen unteren Nasen- stachels erscheint der untere Teil der äusseren Nase an der Toten- maske besonders platt. Die SchädelnäJite wiesen unzweideutige Spuren seniler Verknöcherung (Synostose) auf, waren aber noch deutlich erkennbar. Die Innenfläche der vorhandenen Bruch- stücke der Schädelkapsel zeigt nur sehr mässig entwickelte Leisten (Juga cerebraha), was schon aus dem Seligmann'schen Gips- abguss der (1.) vorderen Schädelgrube seit 1863 bekannt war. Die mittlere Schädelgrube erscheint ganz auffallend seicht und flach. i) Bericht über die an den Gebeinen Ludwig van Beethovens gelegent- lich der Uebertragung derselben aus dem Währinger Orts-Friedhofe auf den Central-Friedhof der Stadt Wien am 21. Juni 1888 vorgenommene Unter- suchung. — Mittheilungen der anthropologischen QeseUschaft in Wien, 18. Bd. 1888 — Anhang zu den Sitzungsberichten Nr. 4—6 1888 [p. 73]. — Beet- hoven's Schädel ist abgebildet bei P. J. Möbius, Franz Joseph Gall [Ausge- wählte Werke Bd. VII] Leipzig 1905, Tafel III—V (Erklärung p. 222). 2 *](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24758735_0027.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


