Medicinisches aus der Geschichte / / von Dr Hermann Vierordt, Professor de Medizin an de Universität Tübingen.
- Vierordt, Hermann, 1853-1943.
- Date:
- 1910
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Credit: Medicinisches aus der Geschichte / / von Dr Hermann Vierordt, Professor de Medizin an de Universität Tübingen. Source: Wellcome Collection.
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![sehen zwei, am 22. Oktober 1894 ausgegrabenen Särgen die Wahl, nachdem zuvor bloss solche von Kiefernholz zu Tage gekommen waren. Der zweite der Särge enthielt in der Tat die späterhin genau untersuchten Ueberreste eines älteren Mannes. Ueber diese und die weiteren für die Identitätsfrage in Betracht kommenden Untersuchungen hat W. His ^) im Auftrage einer eigens hierzu er- nannten sechsgliedrigen Kommission an den Rat der Stadt Leipzig Bericht erstattet. Die Körperlänge wurde aus den vorhandenen, an Ober- und Vorderarmen durch kräftige Muskellinien ausgezeich- neten, Knochen nach Manouvriers Verfahren (s. p. 23'Anmerkung i) zu 166,8 cm berechnet. Aus den von Emil Schmidt vorgenommenen Messungen des, auch durch seine Nahtverwachsungen ein höheres Alter ausweisenden Schädels seien hervorgehoben: Horizontal-Um- fang 534 mm, grösste Länge 188, grösste Breite 143, grösste Höhe (vom Hinterhauptsloch zum höchsten Scheitelpunkt) 144, kleinste Stirnbreite 93, Jochbreite 134, Gesichtshöhe 119, Ober-Gesichts- höhe 70, Nasenhöhe 53, Nasenbreite 23, Augenhöhleneingang: grösste Breite 44, grösste Höhe 31 mm. Der Profilwinkel war 82°. Die Schädelkapazität mit 1479,5 cm^ zeigte, wie schon die Körper- länge, »auffallend mittlere Grössen Verhältnisse«, auch der Längen- Breitenindex mit 76,06 fällt in die mesokephale Hauptgruppe. Stirn etwas zurückliegend, Augenhöhlen verhältnismässig niedrig, breiter als hoch (Orbitalindex bloss 70,45), der Nasenrücken tritt bei tief eingeschnittener Nasenwurzel in scharfem Winkel hervor. Der Unterkiefer stand über den Oberkiefer vor, was vor allem aus den Schliffflächen der noch erhaltenen Zähne erschlossen werden konnte. Gerade in der Niedrigkeit der Augenhöhlen, der Mächtig- keit der Nase, dem Hervortreten des Unterkiefers stimmt der Schädel mit den zuverlässigen Bildern Bachs überein. Bild- hauer Seffner wurde mit der Aufgabe betraut, über dem Schädel- i) Johann Sebastian Bach. Forschungen über dessen Grabstätte, Ge- beine und Antlitz. Mit i Plan und 9 Tafeln. Leipzig 1895. 4. — Vergl. von demselben Verfasser: Anatomische Forschungen über J. S. Bach's Gebeine und Antlitz nebst Bemerkungen über seine Bilder. Leipzig 1895. 8° [in: Abhandlungen der K. Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, mathematisch-physische Klasse, XXII. Bd. 1895 (Nr. 5)].](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24758735_0030.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


