Medicinisches aus der Geschichte / / von Dr Hermann Vierordt, Professor de Medizin an de Universität Tübingen.
- Vierordt, Hermann, 1853-1943.
- Date:
- 1910
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Credit: Medicinisches aus der Geschichte / / von Dr Hermann Vierordt, Professor de Medizin an de Universität Tübingen. Source: Wellcome Collection.
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![sprechen würde. Auffallend unter den nur teilweise erhaltenen Knochen war ein aussergewohnlich breites Brustbein. Vom Schä- del war noch am besten der Gesichtsteil erhalten, auch Reste des Barts, zumal des martialischen Schnurrbarts; die Höhe des Ober- gesichts wurde zu 77 mm bestimmt; von den Augenhöhlen die Breite (nach deutscher Methode) zu 41, die Höhe zu 31 mm. An den Nasenknöchelchen waren einige Veränderungen zu bemerken, welche wohl mit einer 1566 zu Rostock im Duell erUttenen Ver- letzung zusammenhingen und als vom Kupfer (?) einer von Brahe getragenen, wohl aus dünnem Blech gefertigten Prothese ^) her- rührend angesehen wurden. Dass freilich Brahe eine eigenthche Prothese, gar eine »goldene Nase«, getragen habe, ist ganz unwahr- scheinlich. Nach (Zeitungs-) Nachrichten aus Kopenhagen ist auf einem Brahe-Porträt des Frederiksborger Museums, einer guten, von Lmid gefertigten Kopie eines früheren berühmten, leider ver- brannten Brahebildes, neben einer von der Nasenwurzel aus schräg über die Nase verlaufenden Narbe die Ausfüllung der Vertiefung in der Nase durch eine geeignete Substanz ganz wohl zu erkennen. Gebeine und Schädel des in der Neustädter Kirche in Hannover beerdigten grossen Philosophen Gottfr. Wilhelm L e i b n i z wurden im Juli 1902 aus einem mit der Aufschrift »Ossa Leibnitii t 1716« versehenen, Grab entnommen und einige Tage darnach von Wilh. Krause ^) genauer untersucht. Am Grab war augenscheinlich auf der einen Seite schon früher eine kleine, aber wohl kaum zum Einsteigen hinreichende Oeffnung angelegt und wieder vermauert worden, auch schienen die Knochen (Wirbel und Extremitäten) in hinreichender Vollständigkeit vor- handen zu sein und man sah in dem Umstände, dass sicherHch Knochenreste eines älteren Mannes vorlagen und am unteren Ende der 1. Tibia eine Knochengeschwulst sich vorfand — Leibniz hatte 1) Ueber die »künstliche Nase« Brahes Einiges im Joh. Kepleri Opera omnia, edidit Chr. Frisch Vol. VIII (Pars II) Francofurti 1871 p. 646, wo auch der häufige Gebrauch von Salbe hervorgehoben ist. 2) Ossa Leibnitii. [Sonderabdruck aus:] Abhandlungen der K. preus- sischen Akademie der Wissenschaften, BerUn 1902 (Physikalische Abhand- lungen der nicht zur Akademie gehörigen Gelehrten). Mit i Tafel.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24758735_0032.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


