Medicinisches aus der Geschichte / / von Dr Hermann Vierordt, Professor de Medizin an de Universität Tübingen.
- Vierordt, Hermann, 1853-1943.
- Date:
- 1910
Licence: In copyright
Credit: Medicinisches aus der Geschichte / / von Dr Hermann Vierordt, Professor de Medizin an de Universität Tübingen. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by Royal College of Physicians, London. The original may be consulted at Royal College of Physicians, London.
45/228 page 37
![einen grossen Teller Salat, zwei grosse Schnitte Schinken, Ham- mel mit Brühe und Knoblauch, einen Teller Gebäck und dann noch Früchte und harte Eier zu sich nahm«. Auch Ludwig XV, XVI, XVIII waren kräftige Esser, nicht minder Louis Philipp, während im Gegensatz zu ihnen Napoleon I, ein leidenschaftlicher Kaffeetrinker, recht mäs- sig im Essen war und seine Mahlzeiten ganz unregelmässig, so wie es gerade die Gelegenheit brachte, im Stehen, auf der Tisch- ecke einzunehmen pflegte.— Von Goethe berichtet K. Vogel dass er »sehr viel« gegessen und dass »seine Unenthaltsamkeit im Essen nicht gar selten Indigestionen bewirkt habe«. Starke Esser unter den deutschen Kaisern waren Karl der Grosse und K a rl V. Wenn wir von letzterem hören, dass sein Mittagstisch aus 20 Gängen bestand, dass er zweimal zu Nacht ass und auch am Getränk es keineswegs fehlen Hess, so verwundern wir uns kaum, dass er in späteren Jahren von der Gicht heimgesucht wurde, was seinem, ihn in Regensburg be- handelnden Leibarzt, dem berühmten Andreas Vesalius, zur Ab- fassung einer besonderen Schrift^) Veranlassung gab. Zur Illu- strierung dessen, was Karl V konsumierte — paullo immodera- tius cibum sumebat, sagt Sepulveda — kann ein Speisezettel die- nen, der gelegentlich eines Besuchs des Kaisers im Jahr 1541 aus Schwäbisch-Hall nach einer handschriftlichen Chronik^) mitge- teilt wird. 17 Gerichte figurieren auf der,Tafel (6mal Fisch). Der Kaiser speiste ganz allein, die Türen aber Hess er öffnen, und jedermann durfte zuschauen. »Und habe ich, sagt der Autor, »Seine Majestät ohne alle Pompa tischen sehen . , . Seine Maje- »stät [die übrigens in Trauer war] ass, Gott segne es ihnen, waid- 1) Die letzte Krankheit Goethe's, Berlin 1833 p. 34 (aus Hufeland und Osann's Journal der practischen Heilkunde, 1833, Zweites Stück, besonders abgedruckt). Neudruck in der »Chronik des Wiener Goethe-Vereins« Bd. 18. Nr. 2—3. BerHn, Reimer 1905. 2) Epistola rationem modumque propinandi radicis Chynae decocti, quo nuper invictissimus Carolus V Imperator usus est, pertractans. Basileae 1546. fol. 3) Wekhrlin, das graue Ungeheur, 6. Band, Nürnberg 1786, p. 92.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24758735_0045.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


