Lehrbuch der Kinderkrankheiten / von Alfred Vogel.
- Vogel, Alfred, 1829-1890.
- Date:
- 1869
Licence: Public Domain Mark
Credit: Lehrbuch der Kinderkrankheiten / von Alfred Vogel. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Harvey Cushing/John Hay Whitney Medical Library at Yale University, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Harvey Cushing/John Hay Whitney Medical Library at Yale University.
58/540 (page 36)
![aufkochen, weil hiedurch auch die Gerinnung verzögert wird. Das beste Mus wird so bereitet, dass man */4 altgebackene Semmel >/4 Stunde lang in kaltem Wasser einweicht, worauf das Wasser gewöhnlich schwach sauer reagirt und dann die nicht weiter ausgepresste Semmel mit 6—8 Unzen alkalisirter, nicht abgerahmter Milch und einer Messerspitze Milch- zucker zu einem gleichmässigen Brei verkocht. Bei weitem beliebter als der Semmelbrei ist, besonders in den untern Volksklassen, der Mehl- brei; auch bei diesem gedeihen unendlich viele Kinder vortrefflich, und es ist noch sehr die Frage, ob er nicht ebenso unschädlich ist, als der Semmelbrei. Wenn 4/5 der künstlich aufgezogenen Kinder Mehlmus be- kommen und nur >/5 Semmelbrei, so werden bei angenommener gleicher Verdaulichkeit beider Nahrungsmittel 4 Mehlmuskinder an Verdauungs- störungen leiden müssen, bis endlich einmal ein Semmelmuskind erkrankt. Wer nun nicht weiss, dass wirklich 4 Mal mehr Kinder Mehlmus essen, der muss natürlich die Ansicht sich bilden, dass das Mehlmus bei weitem schlechter vertragen wird als das Semmelmus. Bevor aber nicht ausführliche, Jahre lang geführte statistische Zusammenstellungen diese Verhältnisse in klaren Zahlen darthun, kann Niemand behaupten, dass dünnes, noch tropfbares Mehlmus schädlicher sei als das Semmelmus. Statt des gewöhnlichen Weizenmehles nimmt man auch Reismehl oder das Mehl der Pfeilwurzel, Arrowroot, zwei sehr kleberarme Mehlsorten. Die Gebrauchsart für das Arrowroot ist folgende: Man schüttet einen Theelöffel voll in ein porcellanenes Gfefäss und setzt so viel kaltes Was- ser hinzu, das dasselbe einen feinen Teig gibt, hierauf giesst man eine Tasse kochender Milch (oder auch Wasser, Fleischbrühe) zu, rührt gut um und lässt es am Feuer einige Minuten aufkochen, bis es die Consi- stenz einer leichten Gallerte bekommt. Weitaus das rationellste unter allen Surrogaten der Muttermilch ist jedenfalls die sog. Liebig'sche Suppe, durch welche sich der grosse Chemiker ein bleibendes Verdienst um die Pädiatrik erworben hat. Bekanntlich sind enthalten: blutbildende wärniebildende Stoffe Stoffe in Frauenmilch 1 3,8 „ Kuhmilch, frisch 1 3,0 „ Kuhmilch, abgerahmt 1 2,5 „ Weizenmehl 1 5 Es liesse sich also leicht eine Mischung von Kuhmilch und Weizen- mehl herstellen, die dasselbe Verhältniss der blut- und wärmebildenden Bestandteile böte wie die Frauenmilch; indess reagirt das Weizenmehl sauer und enthält viel weniger Alkali als die Frauenmilch, weniger als zur normalen Blutbildung erforderlich ist, und endlich wird dem kindlichen Organismus durch Ueberführung des Stärkemehls in Zucker eine ganz unnöthige Arbeit aufgebürdet. Es ist also wünschenswert!!, zuvor das Stärkemehl in die lösliche Form des Zuckers und des Dextrins überzu- führen; diess geschieht leicht durch Zusatz von Malzmehl zu dem Wei- zenmehle. Wenn man Milch mit Weizenmehl zu einem dicken Brei kocht und diesem noch heissen Brei dann Malzmehl zusetzt, so wird die Mischung nach einigen Minuten flüssig und nimmt einen süssen Geschmack an; darauf und auf einen Zusatz von Alkali, um die saure Reaktion des Weizenmehles zu neutralisiren, beruht die Herstellung der Liebig'schen Suppe. Die Vorschrift, die Lieb ig selbst gegeben hat, ist folgende- Man wiegt 1 Loth Weizenmehl, 1 Loth Malzmehl und 7]/2 Gran doppelkoh- lensaures Kali ab, mischt sie erst für sich, sodann unter Zusatz von 2](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20999963_0058.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)