Compendium der pathologisch-anatomischen Diagnostik : nebst Anleitung zur Ausführung von Obductionen sowie von pathologisch-histologischen Untersuchungen / von Johannes Orth.
- Johannes Orth
- Date:
- 1884
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Credit: Compendium der pathologisch-anatomischen Diagnostik : nebst Anleitung zur Ausführung von Obductionen sowie von pathologisch-histologischen Untersuchungen / von Johannes Orth. Source: Wellcome Collection.
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![/ Innere Untersuchung des Gehirns. 109 getrennte Wägungen der Haupttheile des Gehirns [Hirnmantel*), Hirnstamm, Kleinhirn] vornehmen zu können. Man legt das Ge- hirn, dessen Pia nicht vorher entfernt wird, mit der Grundfläche nach oben und präparirt zunächst die Inseln vollständig frei, so dass man die drei sie begrenzenden Furchen deutlich erkennt. Nach- dem man dann auch noch die den grossen Querschlitz des Gehirnes seitlich und hinten überbrückende Pia durchschnitten hat, so dass man, wenn man das verlängerte Mark mit Brücke und Kleinhirn etwas in die Höhe hebt, einen freien Einblick in das Unterhorn des Seitenventrikels erhält, durchschneidet man zunächst fast senk- recht die Verbindung des Schläfenlappens mit dem Hirnstamm bis an den Beginn der Sylvischen Grube, dann hält man das Messer mehr horizontal, um die Insel zu umschneiden**), wobei das Messer aussen den 3 Grenzfurchen derselben folgt, innen aber dem äusseren Winkel des Seitenventrikels, welcher durch den Balken und die grossen Ganglien gebildet ist und welchen man durch stärkeres Aufheben des Hirnstarames leicht zu Gesicht bekommen kann. Nachdem der Schnitt auf beiden Seiten so weit geführt ist, dringt man mit dem Messer von dem grossen Längsschlitz aus in fast horizontaler Richtung (fast parallel der orbitalen Oberfläche der Stirnlappen) etwa 3 Ctm. tief in die Substanz ein und schneidet der die Subslantia perforata anter. nach vorn begrenzenden Furche folgend in leichtem convexen Bogen nach aussen bis zu dem Insel- schnitte hin. Nun werden der Stamm und das Kleinhirn stark in die Höhe gehoben, die Gewölbeschenkel und das Septum pellucidum dicht vor der vorderen Commissur von unten her durchschnitten und endlich wird (ebenfalls von unten her) durch Trennung der letzten Adhäsionen vor dem Kopfe des Streifenhügels die Entfernung des Hirnstammes vollendet. Die Trennung dieses von dem Klein- hirn ist sehr einfach durch die Durchschneidung der verschiedenen Bindearme desselben zu ermöglichen. Bei dieser Gelegenheit will ich erwähnen, dass nach Mey- nert’s Wägungen bei 157 auf der Wiener Irrenanstalt Gestorbenen *) Der Hinunantel wird gebildet von den Grosshirnlappen samrnt Riech- nerv-Balken, Gewölbe und Septum pellucidum. **) Den Fehler, welcher durch Hinzunahme der Insolwindungen zum Stammhirn zu Gunsten des leztereu begangen wird, berechnet Meynert auf 24 Grm.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28139513_0133.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


