Compendium der pathologisch-anatomischen Diagnostik : nebst Anleitung zur Ausführung von Obductionen sowie von pathologisch-histologischen Untersuchungen / von Johannes Orth.
- Johannes Orth
- Date:
- 1884
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Credit: Compendium der pathologisch-anatomischen Diagnostik : nebst Anleitung zur Ausführung von Obductionen sowie von pathologisch-histologischen Untersuchungen / von Johannes Orth. Source: Wellcome Collection.
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![Lippen und Nase, welche aber nicht primär, sondern secundär von der Schleimhaut der Mundhöhle aus entsteht. In allen diesen Fällen zeigt das Mikroskop in der trüben, stinkenden Flüssigkeit, in welche die Gewebe zerfallen, körnige Detritusmassen, viel Fett in flüssigem und krystallinischem Zustande, Krystalle von Leucin (kugelförmig), Tyrosin (nadelförmig, in Garbenform angeordnet), phosphorsaurer Ammoniak-Magnesia (Sargdeckelform) und endlich zahllose sich lebhaft bewegende Spaltpilze von den verschiedensten Formen und Grössen. Verschieden gefärbte Deckglastrockenprä- parate sind vorzüglich geeignet, um sowohl die Menge der vorhan- denen Organismen als auch ihre verschiedenen Formen festzustellon. Da sieht man Mikrococcen (kleinste Kügelchen, die sich zu rosen- kranzförmigen Ketten [Torula] oder zu grossen Haufen [Zoogloea] aneinanderlagern, welche sich durch ihr gleichmässiges Korn und ihren eigenthüralichen Glanz auszeichnen), Bacterien (kürzere stäb- chenförmige Gebilde, die häufig schlängelnde, schiessende etc. Be- wegung zeigen und nicht zu vielgliederigen Ketten, wohl aber zu Haufen vereinigt Vorkommen, welche letzteren sich von den Mikro- coccenhaufen durch eine grössere Menge einer durchsichtigen galler- tigen Zwischensubstanz auszeichnen) und endlich Bacillen (längere Stäbchen von verschiedener Dicke, welche gern zu Ketten sich an- einanderlagern, die dann oft wie lange Fäden das Präparat durch- ziehen). — Die Brandjauche nimmt nach Virchow auf Zusatz von Salpetersäure eine rosige Färbung an. Dem feuchten Brand steht der trockene, die Gangraena sicca, auch Mumification genannt, gegenüber, bei welcher die Haut (und das Unterhautgewebe) in eine feste, schwarze oder schwarzbraune Masse verwandelt ist. Zuweilen ist auch diese Form durch Druck erzeugt und sitzt dann an den eben genannten Stellen; häufiger findet sie sich an den Spitzen der unteren Extremitäten, wo sie durch Verstopfung einer grösseren Arterie oder in Folge von anderen Kreislaufsstörungen auftritt. Das letztere ist bei der sog. Gangraena senilis, dem Greisenbrande der Fall, bei dem in der Verkalkung der Arterienwandungen und der dadurch gegebenen Be- einträchtigung des Lumens und der Contractilität ein prädisponirendes Moment liegt. Freilich ist es selten, dass durch diese Veränderungen direkt, in Folge einer von ihnen erzeugten Thrombose der Arterien, der Brand entsteht, vielmehr sind es fast immer kleine, peripherische](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28139513_0082.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


