Ueber Keratose : oder die durch Bildung von Hornsubstanz erzeugten Krankheiten und ihre Behandlung / von Hermann Lebert.
- Hermann Lebert
- Date:
- 1864
Licence: Public Domain Mark
Credit: Ueber Keratose : oder die durch Bildung von Hornsubstanz erzeugten Krankheiten und ihre Behandlung / von Hermann Lebert. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The Royal College of Surgeons of England. The original may be consulted at The Royal College of Surgeons of England.
146/166 (page 138)
![Die- Consistcnz dieser Hornwncliorungcn ist im Allgemeinen licUtj lioinig, besoiideis nn der freien OberHifclie; je mehr niciii sich aber den tieferen Schichten des lUic Malpighn nähert, desto weniger hart und brüchig, ja desto weicher ist die Substanz; daher können auch durch die dünneren Schichten die Haare durchdringen; erst durch längere Berührung mit der Luft treten die hornartig(;n Ver- änderungen ein, jedoch nie erreichen sie die Härte der eigentlichen Hauthörner. Alle inneren Organe sind gewöhnlich gesund, und selbst in diesen höheren Graden beobachtet man weder Schmerz noch Jucken, ja nicht einmal eine grosse Empfindlichkeit gegen Kälte. So konnte der von mir beobachtete Kristen die höheren Kältegrade gut ver- tragen, und als ich ihn während längerer Zeit ganz nackend photo- graphiren liess, machte ihm dies trotz des grade elwas kühlen Früh- lingstages nicht die geringste Beschwerde und hatte nicht einmal einen Schnupfen zur Folge. Aber sehr trocken ist die Haut dieser Patienten, und nur an den wenig verhornten Theilen, namentlich am Fass, schwitzen die Kranken sehr stark. ]\Ierkwürdig ist, dass in der Sage vom gehörnten »Siegfried die Verwundbarkeit desselben, wie bei Achilles, nur an der Ferse und am Fuss stattfand und unwillkürlich denkt man daran, dass er viel- leicht an allgemeiner diffuser Keralose gelitten hat und dass da- durch die Sage von dem Hornüberzuge seiner Haut entstanden ist, sowie der Mythus der Panen und Aegypanen wahrscheinlich von Menschen, die am Kopfe Hörner trugen, seinen Ursprung herleitet. Soweit man durch starke Lupen-Vergrösserung schliessen kann, scheinen Talg- und Schweissdrüsen sehr wenig entwickelt. Dess- halb werden wir auch später die Keraioais difftisa sehaoea mit starker Schmeerdrüsen-Entwickelung und liyiwrkrinie derselben als eine besondere Form beschreiben. Die Structur der /c/'^/'yo^w-Borken zeigt vor allen Dingen auch eine epidermoidale Zusammensetzung, was ebenfalls wie bei den Hörnern durch schwache Kali- und - Lösung leicht zu con- statiren ist. In denselben sieht man concentrische^.^/f/cr;;»‘s-Lagen mit Vertiefungen, welche offenbar den hypertrophischen Pap Ulen ent- sprechen. Mitunter sieht man auch zapfenartige Hervorragungen, besonders an der untern Fläche der Borken, welche in Grübchen der Haut hineinragen und wohl erweiterten Mimdungen der Haar- bälge entsprechen, jedoch gehört dieser Befund zu den Ausnahmen, da die Drüsen bei vainav Ke)~alose eher verkümmern; auch wellen- förmig über einander gelagerte Schichten zeigen sich und entsprechen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22336096_0148.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)