Ueber Keratose : oder die durch Bildung von Hornsubstanz erzeugten Krankheiten und ihre Behandlung / von Hermann Lebert.
- Hermann Lebert
- Date:
- 1864
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Credit: Ueber Keratose : oder die durch Bildung von Hornsubstanz erzeugten Krankheiten und ihre Behandlung / von Hermann Lebert. Source: Wellcome Collection.
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![g-ebilde eine solclie Grösse erreicht, dass es einem Widdsrhorne yleichkain. Dieses Ilorn sass mitten auf der Stirn, nach oben gegen den Scheitel zur SuPura coronalis gerichtet, und berührte an dieser Stelle fast die Haut. Hs war (mit seiner Spitze) schon einmal so fest in die Haut eingedrungen, dass es, um den Schmerz zu besei- tigen, abgesagt werden musste. Das Horn bewegte sich imd jede Bewegung verursachte dem Kranken heilige Schmerzen. Dieser Mensch liess sich in Paris für Geld sehen und starb in Orleans. Interessant ist es, diese Beschreibung des Pabricius Hil- danus mit der des gelehrten Philologen Gasaubonus zu ver- gleichen, wesshalb wir dieselbe hier folgen lassen. Er erzählt: Vor G oder 7 Jahren wurde zu dem allerchristlichsten Könige aus den Bergdörfern der Cenomaner ein gehörnter Mensch geführt, der Franz Trouilluvius hiess. Er erzählte uns, dass, als er geboren wurde, er keine Anzeichen eines Hornes auf seinem Haupte gehabt habe. G,egen sein 7tes Lebensjahr habe das Vorderhaupt angefangen rauh zu werden, indem ein Horn hervorbi*ach. Dieses sei nachher mit der Zeit gewachsen und sei nach Art der Hammel- hörner leicht gebogen gewesen. Aus Scham über dieses Ding habe er als Jüngling .seinen Gleburtsort Firmi verlassen und sei in die Berge der Cenomaner geflüchtet. Dort blieb er bis zum 35. Jahre verboi'gen, sich mit Köhlerei beschäftigend. Vor nichts hütete er sich so sehr, als dass er Jemandem das blosse Haupt zeigte und zwar aus Furcht, man möchte ihn, wenn- es offenkundig würde, für ein Ungeheuer halten und ihn der Freiheit berauben. Als nun endlich den Unglücklichen dieses Schicksal getroffen hatte und de]- Mensch, wild und unerträglich für Beleidigungen, darüber unwillig geworden war, dass seine Missbildung von den Marktschreiern zu aller- hand Unsinn gebraucht wurde, da ging er, von diesem Aerger und Unwillen aufgerieben, zu Grrunde. Das Horn ausgenommen, zeigte derselbe in nichts eine Abweichung von den körperlichen und geisti- gen Gesetzen des Menschen. Das Horn hatte die Härte eines Widder- oder Ziegenhornes; die Farbe war gelbbraun, wie die des Bartes, denn mit Ausnahme des Vorderhauptes war er an allen anderen Theilen des Kopfes behaart und hatte einen Bart, wie die übrigen Menschen. Das Vorderhaupt war ganz kahl, weil alle Haar- substanz für das Horn verbraucht war, das auf der rechten Seite des Scheitels entstanden war und sich nicht wie die Hammelhörner nach aussen gerichtet hatte, sondern nach der linken Seite hin. Daher kam es, dass das Ende des Horns in das Haii])t einschnitt und es wüi-de dasselbe durchbohrt haben und gefährlich geworden sein, wenn es nicht einige Mal abgeschnitteu worden wäre. Er behauptete, dass er dort sehr heftige und beständige Schmerzen empfinde. Dieses mei-kwüi-dige Individuum veranlasst (kisaubonus zii lol- gender, in Bezug auf Mythologie wichtigen Bemerkung: Ich zweifle nicht, sagt er, dass ähnliche Merkwürdigkeiten den ersten Menschen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22336096_0030.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)