Die Prüfung des Farbensinnes beim Eisenbahn- und Marinepersonal. Neue Folge. 1. Lieferung. Tafeln zur Bestimmung der Roth-Grünblindheit / von Dr. J. Stilling.
- Stilling J. (Jakob), 1842-1915.
- Date:
- 1878
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Credit: Die Prüfung des Farbensinnes beim Eisenbahn- und Marinepersonal. Neue Folge. 1. Lieferung. Tafeln zur Bestimmung der Roth-Grünblindheit / von Dr. J. Stilling. Source: Wellcome Collection.
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![für das normale x\.uge gelten, nicht mehr differenzirt. Sie lassen sich daher als quantitative Störungen des Farbensinnes formuliren. Ihre Kenntniss verdankt man hauptsächlich den Untersuchungen von Donders. §. 5. Roth-Grünblindheit (Anerythropsie, Aglaucopsie). Das gesammte Farbensystem besteht nur aus Gelb und Blau. Das Spectrum erscheint nur in diesen beiden Tönen; an einer schmalen Stelle durch Grau unterbrochen. Farbige Stoffe erscheinen Gelb, Blau, oder Grau je nach der Menge der ver- schiedenen reflectirten Lichtarten. Das Spectrum ist in den meisten Fällen von normaler Länge, in einzelnen hochgradig verkürzt. Mitunter lässt sich bei normalem Spectrum bereits eine herabgesetzte Lichtempfindlich- keit für Roth nachweisen. Mit Grau identisch erscheint in der Regel, nämlich bei unverkürztem Spectrum, mattes Blaugrün und Purpur, also nicht complementäre Töne. Bei herabgesetzter Lichtempfindlichkeit für Roth dagegen kann Blaugrün und Gelbroth mit Grau verwechselt werden, also complementäre Töne. Rosa erscheint in diesen Fällen nicht mehr rein grau, sondern spielt bereits mehr weniger in’s Blaue. Diese Differenzen zeigen sich indessen nur stark ausgeprägt, wenn die farbigen Objecte eine gewisse Grösse erreichen (wie die Quadrate auf Tafel I), verschwinden aber, wenn sie kleinere Dimensionen darbieten. Anmerkung 1. Die angedeuteten Thatsachen weisen darauf hin, wie Th. Leber’s Eintheilung der Abarten der Farben- blindheit mit der hier gegebenen ohne Schwierigkeit zu vereinigen sei. Anmerkung 2. Die Art und Weise, wie Farbenblinden das Spectrum erscheint,* kann einem Normalsichtigen niemals ge- nau zur Anschauung gebracht werden, weil ein farbenblindes Auge gewisse Abstufungen einer Farbe wahrnimmt, die für ein normal- sichtiges gar nicht existiren. Dies gilt vor Allem von den tiefen Abstufungen des Gelb, die für das normale Auge immer einen Stich in’s Röthliche haben (Braun), da jedes Gelb als Pigment sehr viel Roth reflectirt, welches erst dann empfunden wird, wenn das Gelb sehr lichtsehwach ist. Wenn also Jemand z. B. glauben würde, einen deutlichen Begriff vom Spectrum eines Farbenblinden zu erhalten, indem er denselben aus einer Anzahl Wollproben diejenigen wählen Hesse, welche ihm die gleiche Nuance mit der entsprechenden Spectralfarbe zu besitzen schienen, so wäre dies ein grosser Irrthum. — Vergl. auch das Folgende. §. 6. Blau-Gelbblindheib (Akyanopsie, Axanthopsie.) Das Farbensystem besteht nur aus Roth und Grün, das Spectrum erscheint nur in diesen beiden Tönen, farbige Stoffe erscheinen Grün, Roth oder Grau, je nach dem Mengenverhältniss der reflectirten Lichtarten. Das Spectrum kann so hochgradig ver- kürzt sein, dass selbst ein Theil der grünen Strahlen nicht einmal eine Lichtempfindung hervorruft. Es kann jedoch auch von normaler Länge sein, und erscheint in diesem Falle das spectrale Blau und Violett roth. Mit Grau identisch erscheint ein in’s Grüne spielendes Gelb, und ein röthliches Blau, wenn das Spectrum nicht verkürzt ist. Ist dasselbe hochgradig verkürzt, so erscheint auch ein ziemlich intensives Grün und Indigoblau identisch mit dunklem Grau. Im Vergleich zu der Blindheit für Roth und Grün ist die letzte Abart selten und bis jetzt auch noch nicht so genau untersucht worden. §. 7. Totale Farbenblindheit. (Achromatopsie.) Ist verhältnissmässig ausserordentlich selten und bis jetzt noch wenig untersucht. Das Spectrum braucht nicht verkürzt zu sein. Doch kann dasselbe, wie es nach anderen Beobachtungen wahrscheinlich ist, nach beiden Seiten hin eingeschränkt auftreten. Die Uebergänge von der partiellen zur totalen Farbenblindheit zeigen sich wohl am deutlichsten in denjenigen Fällen, in welchen Blau-Gelbblindheit mit hochgradiger Verkürzung des Spectrum besteht, so dass ausser der Unfähigkeit Blau und Gelb als Qualitäten zu differenziren, nach eine wirkliche Amaurose für die violetten, blauen und einen Theil der grünen Strahlen vorhanden ist. (In 4 Fällen dieser Art hat constatirt werden können, dass das Spectrum nur bis zur Thalliumlinie [vor E] reichte). §. 8. Für das practische Leben ist die Roth-Grünblindheit die wichtigste Anomalie, ihrer grossen Häufigkeit, und der innigen Beziehungen zum Eisenbahn- und Marinedienst halber. I ür den letzteren ist](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21718568_0010.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


