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Credit: Die Ehe Tuberculoser und ihre Folgen. Source: Wellcome Collection.
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![die sie aber in ihrer ursprünglichen Heimat und in Aegypten oft durchgemacht hatten, wie den Aussatz, die Pest und ge- wisse Malariafieber, zeigten sie schon im Mittelalter eine auf- fallende Widerstandskraft, die ihnen, da diese sie von der anderen Bevölkerung unterschied, oft zum grossen Verderben gereichte und Ursache vieler Anklagen und Verfolgungen wurde. Der Unterschied muss sehr auffallend gewesen sein, da sonst bei der Nichtbeachtung, ja geradezu Verachtung, der das Volk allent- halben begegnete, derartige Notizen nicht auf uns gekommen wären. Ich führe später die bei Haeser vorkommenden Notizen kurz an. Dass die Juden die Pest in Aegypten schon kennen ge- lernt haben, dürfte unzweifelhaft sein, da das hohe Alter der Pest in Aegypten erwiesen ist.1) Cicero sagt, der Ibis werde von den Aegyptern heilig gehalten, weil er die Pest abwende, und Plinius nennt die Ueberschwemmungen geradezu als Ur- sachen grosser „Pestilenz. Bei den Aegyptern lernte aber Moses die Wichtigkeit der Inzucht kennen und die von ihm diesbezüglich gegebenen Gesetze fixirten die Inzucht und damit auch die guten und schlechten Folgen derselben. Dass sie auch die Blattern, die wahrscheinlich dazumal in Aegypten schon bekannt waren, frühzeitig kennen lernten ist nach Haeser ebenfalls zu vermuthen.2) Wie sehr sie schon zu Moses' Zeiten vom Aussatz geplagt wurden, geht aus den von ihm gegebenen Gesetzen hervor. Kurz, der Aufenthalt in Aegypten muss eine wahre Durchseuchungsperiode für den jüdischen Volkskörper gewesen sein, aus welcher Un- glücksperiode ihr Gesetzgeber nicht nur die vielen hygieinischen Gesetze, sondern das Volk auch das wichtigste Mittel dagegen, die strenge Inzucht als Erfahrungsresultat in ihre neue Heimat mitbrachte. Auch in Palästina, der Heerstrasse so vieler Völker, haben die Juden viel von Seuchen und Epidemien zu leiden gehabt. So brachten denn die Juden nach ihrer Zerstreuung in die nördlicher gelegenen, europäischen Gegenden eine bereits grosse, ererbte Widerstandskraft gegen die von Asien dort i) Siehe Haeser, Bd. III., S. 16. 2) Siehe Haeser, S. 21. Reibmayr, Tuberculooe Ehen. y]](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21006829_0281.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


