Licence: Public Domain Mark
Credit: Die Ehe Tuberculoser und ihre Folgen. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Harvey Cushing/John Hay Whitney Medical Library at Yale University, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Harvey Cushing/John Hay Whitney Medical Library at Yale University.
322/344 page 298
![der Untersuchung hat nur Werth für den Arzt, der Patient braucht davon gar nichts zu erfahren. Eine noch viel schlimmere, die Patienten beunruhigende Wirkung haben die Untersuchungen der Sputa auf Tuberkel- bacillen hervorgebracht.1) Und der praktische Nutzen? Nicht nur keiner bis heute, sondern geradezu ein grosser Schaden auf die Gennithsstimmurig der Kranken. Wie leicht waren früher diese Kranken über die schlimmen Zeiten hinwegzubringen, wie leicht war es für den Arzt, dem Kranken, wenn es besser ging, die Hoffnung auf vollste Genesung zu suggeriren, und wie bald waren diese Kranken mit auch nur geringen Fortschritten zufriedengestellt. Alles das zerstören diese gauz unnöthigen, zwecklosen Sputa-Untersuchungen. Ja, der Arzt hat nicht einmal einen Nutzen davon, denn der Praktiker, der erst sich durch das Mikroskop belehren lassen muss, dass der Kranke langenkrank ist, der ist ein schlechter Arzt. Es kommt, wie wir ja täglich erfahren können, oft genug vor, dass der Praktiker die Diagnose auf einen verdächtigen Spitzenkatarrh stellen muss, und es werden noch keine Bacillen gefunden. Andererseits aber wird jede Freude über das Aufhören des Fiebers, über Zunahme des Gewichtes, über besseres Befinden, besseren Appetit etc. zerstört, denn da steht es schwarz auf weiss, die gefürchteten Ba- cillen sind noch immer in zahlreicher Menge vor- handen. Man missverstehe mich nicht! Alle diese Untersuchungen sollen und können vorgenommen werden, wenn der Arzt sie für nöthig hält, aber es ist oberste Pflicht des Arztes, die Re- sultate derselben, so weit sie den Patienten beängstigen und den grossen Heilfactor, die feste Hoffnung auf Ge- nesung, im Geringsten zu schwächen oder gar ganz zu untergraben im Stande sind, dem Patienten vorzuent- halten. Nirgends straft sich Neugierde mehr als in der Medicin, ]) Die Untersuchungen auf Tuberkelbacillen haben bis dato, was die Heilung anbelangt, keinen Nutzen gebracht. Was die Diagnose anlangt, so kann überhaupt nur dort, wo es sieh um die Differentialdiagnose zwischen Lues und Tuberculose handelt, von einem Nutzen gesprochen werden. Aber auch da nicht einmal mit Sicherheit, da beide Krankheilen häufig genug zu- sammen vorkommen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21006829_0322.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


