Das athenische und das spartanishce Erziehungssystem im 5. und 6. Jahrhundert v. Chr. : ein Vergleich / von Dr. Phil. Nikolaus Exarchopulos.
- Exarchopulos, Nikolaus Iōannou, 1873-
- Date:
- 1909
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![rühmte Musiker und Dichter aufhielten. Und es ist selbst- verständlich, daß es ihnen möglich war, sich auf diese Weise ein richtiges musikalisches Urteil zu verschaffen, weil das Ohr durch viel Musik-Hören, ohne Zweifel, geschärft und musikalisch gebildet wird und dadurch zu einem richtigen musikalischen Urteil führt. In Athen aber wurde der Musikunterricht auf systematische Weise von Fachlehrern erteilt und eifrig betrieben. Mit diesem Unterrichte fingen die Kinder schon in früherem Alter sich zu beschäftigen an. Von dem Lehrverfahren berichtet uns die klassische Stelle bei Platons Protagoras,1) wo es heißt: »Wenn die Knaben das Kitharspiel erlernen, werden sie zugleich mit den Liedern guter lyrischer Dichter bekannt, müssen ihre Stimme dem Saitenspiel an passen und die Melo- dien sich einprägen. Dadurch gewöhnen sie sich aber an rechtes Maß und schöne Ordnung, und werden geschickter in Worten und Werken; denn das ganze Leben des Menschen bedarf des Gleichmaßes und der harmonischen Stimmung.« In den älteren Zeiten, als, wie gesagt, die Musik in enger Verbindung mit der Poesie blieb, war also das Lehrverfahren folgendermaßen: a) sollten die Kinder eine Fertigkeit erlangen im Spielen eines musikalischen Instruments zu dem Zwecke, die Gedichte mit passender musikalischer Begleitung vor- tragen zu können,2) b) prägten sie sich die Melodien von Liedern guter lyrischer Dichter ein, deren sprachliche Be- arbeitung und das Memorieren schon im Sprachunterrichte vorgenommen war, weil die Memorier- und Lesestoffe zum Teil zugleich Gesangstexte waren, so daß der Kitharist nur die Melodie hinzuzufügen hatte; und das ist das pädagogisch Richtigste. Was die Instrumente betrifft, die beim Unterricht in An- wendung kamen, haben wir vor allem die Leier xl&uQiq) zu nennen. Die Kithara3) wird von Aristoteles Q 326, B. 2) Der Unterricht in der Instrumentalmusik diente in den älteren Zeiten nur zu dem Zwecke, die Gedichte mit passender musikalischer Begleitung vortragen zu können. Athenae. 14, 8. a) Sie war ein Instrument, welches in seiner Form dem Halse und der Brust des Menschen glich. Es bestand aus einem holhen Boden {r]xdov), zwei daraus sich erhebenden, nach oben zugleich Ochsenhörnern gekrümmten Seitenstücken (jtr,'*£«e) und einem Quer- holze zwischen beiden, woran die Saiten befestigt wurden. Bei der](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2485976x_0132.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


