Das athenische und das spartanishce Erziehungssystem im 5. und 6. Jahrhundert v. Chr. : ein Vergleich / von Dr. Phil. Nikolaus Exarchopulos.
- Exarchopulos, Nikolaus Iōannou, 1873-
- Date:
- 1909
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Credit: Das athenische und das spartanishce Erziehungssystem im 5. und 6. Jahrhundert v. Chr. : ein Vergleich / von Dr. Phil. Nikolaus Exarchopulos. Source: Wellcome Collection.
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![zengnis der athenischen Lebensanschauung, er ist eine Frucht des Charakters des Atheners, dieses xut e^o/rjv lebensfreudigen Menschen, welcher nicht für die Gesellschaft und den Staat lebt, wie der Spartaner, der sein ganzes individuelles Glück dem Gemeinwohle opfert, der keinen persönlichen Wert, kein Privatrecht, kein Ideal hatte. Der Athener im Gegenteil lebt hauptsächlich und zuerst für sich selbst.* *) Seiner Auffassung nach ist die Gesellschaft nicht ein Ziel, auf das die Ent- wicklung des Individuums hinzuleiten ist, wie in Sparta, sondern sie ist bloß für das Glück jedes einzelnen Menschen da. Deshalb hat auch seine Erziehung nicht das Interesse des Staates, sondern das des Individuums im Auge. Sie be- trachtete den Einzelnen als Selbstzweck, und sie war da nicht wegen des sozialen, sondern wegen des individuellen Lebens. »Sie sollte den Pfad ebnen und vorbereiten zu einem wohlberatenen und glücklichen Leben... sie sollte hauptsächlich den Charakter bilden und bestimmen, alles Schöne und Gute zu einem würdigen Leben (xalwg Lrjv) übermitteln.« 2) So widmete sich also die athenische Erziehung dem Ein- zelnen als Menschen und gab ihm eine allgemeine Menschen- bildung. Wie wir später sehen werden, sorgte sie, daß den Zöglingen solche Kenntnisse, Fähigkeiten, Eigenschaften, Nei- gungen vermittelt wurden, welche jedem Individuum als einer vollständigen Person, nicht nur als einem Mitgliede einer Gesellschaft notwendig sind. Mit anderen Worten, sie bezweckte nicht die Bildung von athenischen Bürgern oder Soldaten, wie die spartanische, sondern sie wollte Menschen machen. Sie hatte einen internationalen Charakter und wurde in den alten Zeiten für die vollkommenste gehalten, so daß derjenige, welcher eine gute Erziehung genießen wollte, nach Athen kommen mußte. Daraus ist der Eifer zu verstehen, mit dem aus vielen Städten Griechenlands die Eltern ihre Knaben hierher schickten, um attische Bildung sich anzu- eignen,3) daraus ist die Traurigkeit des Redners A esc hin es*) zu erklären, über seine Verbannung aus Athen, die die Ur- sache wäre, daß seine Kinder die athenische Erziehung ent- D Thucyd. 2, 36, 37, 38 und 39. *) Grasberger a. a. 0. 1, 194. *) [.Aeschines] Epistolae, 12, 13. Isokrates, neQl ’AvxMo 224 und 226. 4) Epistolae 12, 13.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2485976x_0049.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


