Encephalomeningitis serosa, ihre klinischen Unterformen und ihre Indikationen / L.J.J. Muskens.
- Muskens, Louis Jacob Josef, 1872-1937.
- Date:
- 1910
Licence: In copyright
Credit: Encephalomeningitis serosa, ihre klinischen Unterformen und ihre Indikationen / L.J.J. Muskens. Source: Wellcome Collection.
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![Das Hirn pulsierte nicht. Mit RQcksicht auf die Gefahr, dass der starke Überdruck in einem Guss sicli entleeren und dadurch Shokwirkuug eintreten könnte, wurde die Dura nur oberflächlich inzidiert. Eine Woche darauf wurde nach Eröffnung der Dura der Herd gefunden. Es fiel auf, dass die Pia raater hier und dort trübe war, die Farbe der Hirnsubstanz 'zeigte einen purpurnen Anstrich den dilatierten Venen zufolge. Viel helle Sul)- arachnoidalflüssigkeit entleerte sich. Ausschliesslich von den verfärbten Stellen des Cortex konnten mit einem sehr schwachen faradischen Strom e))ileptiforme Anfälle, wie so oft bei der Patientin beobachtet, ausgelöst werden. Dieser ganze Teil des Cortex wurde während einigen Sekunden mit einer warmen Sublimatlösung ] : 5000 getränkt. Der weitere Verlauf war äusserst günstig, das Körpergewicht nahm innerhalb 6 Wochen 13 kg zu, nie mehr wurden Anfälle beobachtet. Dass in der Tat der lokale Druck die Jacksonschen Anfälle in diesem Fall verursacht hatte, wird durch die Tatsache bewiesen, dass nach der ersten, vorläufig dekomprimierenden Operation, die Anfälle mit einem Schlag und definitiv ausblieben. Bleibende Ausfallserscheinungen hat Patientin nicht gehabt, ausser nicht belästigender Astereognosie der rechten Hand. Psychisch zeigte Patientin eine sehr erklärbare Überreizbarkeit, dem durchgemachten Elend zufolge. Nach einigen Tagen hatte sie eine funktionelle Sprachstörung. Seitdem ist sie bis jetzt (3 Jahre später) vollkommen gesund. Was lag hier vor? Während ein tuberkulöser oder syphilitischer Prozess ausgeschlossen schien, konnte hier ein richtiger solitärer Tumor wahrscheinlich kaum erwartet werden. Doch wurde hier, den land- läufigen neurologischen Ansichten zufolge, von den meisten Ärzten Hirntumor diagnostiziert worden sein und zwar ein multipler Prozess,. z. B. langsam wachsende Tumoren, erst in der rechten Hemisphäre.. dessen Erscheinungen kompensiert wurden, währenddem die späteren. Erscheinungen durch Metastase des Tumors in der anderen Hemisphäre verursacht seien. Vielleicht hatte sich selbst in der Medulla oblon- gata eine Metastase ausgebildet (Schluckstörungen). Der schnelle Ver- lust an Körpergewicht schien für eine solche Diagnose zu plädieren. Damals wurden jedoch schon die früheren Erfahrungen verwertet: und an die Möglichkeit seröser Meningitis gedacht, obwohl Qninckes^ und Xonnes, sowie Oppenheims Mitteilungen mir noch unbekannt: geblieben waren. Hätte ich nicht seröse Meningitis vermutet., ich» glaube nicht, dem hoffnungslosen Zustand gegenüber zum Eingriff über- gegangen zu sein. Ich war auf einer Exploration in beiden Hemisphären gefasst: der erste Eingriff gab uns schon das Vorrecht, den Herd zu treffen, und nicht nur zu dekomprimieren, sondern auch eine Woche später eine definitive Wendung der sehr ungünstigen Prognose zu veranlassen.. Hier ergab sich für uns die Chance, als erster eine Autopsie in vivo](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22431780_0026.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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