Chemie der Kohlenstoffenverbindung, oder, Organische Chemie / von V.v. Richter.
- Victor von Richter
- Date:
- 1882
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Credit: Chemie der Kohlenstoffenverbindung, oder, Organische Chemie / von V.v. Richter. Source: Wellcome Collection.
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![constante der reinen Substanz, welche man mit Ad bezeichnet, berechnen. Das Product aus dem specif. Drehungsvermögen mit dem Moleculargewicht P dividirt durch 100 bezeichnet man als das moleculare Drehungsvermögen [M] = Bei den krystallinischen Substanzen steht das Drehnngs- vermögen meistens in Zusammenhang mit der Krystallform und wird gewöhnlich durch die Existenz hemiedrischer Flä- chen bedingt (vgl. die Weinsäuren). Da die Activität der meisten derselben bei der Auflösung erhalten bleibt oder erst wahrnehmbar wird, so nimmt man in den Lösungen die Existenz derselben Kry stallmolecüle an, welche aus einer Yereinigung mehrerer chemischer Molecüle bestehen. Da man ferner vielfach feste und auch flüssige Körper in rechts- und linksdrehender und inactiver Modiflcation kannte, bei denen keine Yerschiedenheit in der chemischen Structur nachge- wiesen werden konnte, zudem die activen Modificationen meist in inactive überführbar sind — so glaubte man, dass die Activität nicht durch die chemischen Einzelmolecüle, sondern durch physikalische Molecülgruppen verur- sacht werde. Man nannte solche Körper physikalisch isomere. Seitdem man aber weiss, dass das Terpentinöl und der Kampher in Dampfform dasselbe specif. Drehungs- Tcrmögen besitzen wie im flüssigen resp. festen Zustande, ist es nicht länger zweifelhaft, dass die Activität auch als eine Function der chemischen Atomgruppirung erscheinen kann. Yon besonderem chemischen Interesse ist in dieser Beziehung eine Hypothese von Le Bel und vanT Hoff, durch welche allgemein das Drehungsvermögen mit der che-^ mischen Structur in Beziehung gebracht wird*). Nach dieser Hypothese ist die Activität der Kohlenstoffverbin- dungen durch das Vorhandensein von asymmetrischen Kohlen- stoffatomen bedingt, d. h. von solchen, die mit vier verschiedenen Atomen oder Atomgruppen verbunden sind — wie in CH(OH).COoH CH(OH).CO,H I und I CH(OH).COoH CH2.COoH Weinsäure Apfelsäure. =) Yergl. van’t Hoff. Die Lagerung der Atome im Raum 1877.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28118224_0064.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)