Lehrbuch der Histologie des Menschen : einschliesslich der mikroskopischen Technik / von A.A. Böhm und M. von Davidoff.
- Böhm, A. A. (Alexander A.), -1912
- Date:
- 1895
Licence: Public Domain Mark
Credit: Lehrbuch der Histologie des Menschen : einschliesslich der mikroskopischen Technik / von A.A. Böhm und M. von Davidoff. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by University of Bristol Library. The original may be consulted at University of Bristol Library.
310/428 page 290
![In einem bestimmten Entwickelungsstadium siebt man, z. B. im Rücken- marke, radiär zum Centraikanal angeordnete Elemente, welche bei näherer Betrachtung sich als Ausläufer der Epithelzellen des Centraikanals heraus- stellen. Diese Ausläufer können sich einige Mal dichotomisch theilen, um an der Peripherie mit einer Anschwellung zu enden. In späteren Stadien ist die erwähnte ^radiäre Anordnung zwar noch bewahrt, aber die Zellenleiber begrenzen den Centraikanal nicht mehr alle; viele werden in verschieden grossen Abständen von dem letzteren angetroffen. Nur in der Gegend der ventralen und dorsalen Furche des Rückenmarkes behalten die Elemente ihre ursprüngliche Beschaffenheit und Lage bei. Im Laufe der Entwickelung nimmt die Zahl der fraglichen Elemente zu. Nach diesen Befunden ist man geneigt, anzunehmen, dass die Ur- sprungsstätte derNeurogliazellen das Epithel des Centraikanals ist und dass sie von hier aus nach aussen verschoben werden. Zu Gunsten dieser An- nahme spricht auch der Umstand, dass die Epithelzellen des Centralkanals sich später noch weiter vermehren. Sei dem wie es wolle, jedenfalls ist die definitive Gestalt der Neurogliazellen eine äusserst mannigfaltige. Das Epithel des Centralkanals und der Hirnhöhlen (das Ependym) selbst ist beim Erwachsenen ein zwei- bis dreizeiliges. Die ba- salen Fortsätze der Zellen sind sehr lang, können sich verzweigen, haben aber in der Regel einen gewundenen Verlauf. Eine andere Zellenform der Neuroglia wird durch die sogenannten Spinnenzellen repräsentirt. Von ihrem Körper geht eine grosse Zahl von Fortsätzen aus, welche bei der einen, hauptsächlich in der weissen Sub- stanz vorkommenden Zellenart, sich nicht verzweigen. Aehnliche Zellen mit kürzeren, sich aber zuweilen theilenden Fortsätzen liegen zum grössten Theile in der grauen Substanz. Andere Gliazellen unterscheiden sich von den letzterwähnten dadurch, dass sie eine geringere Zahl von Fortsätzen besitzen, dafür aber grössere Leiber haben. Sind die Fortsätze regelmässig angeordnet, so bezeichnet man die Elemente als sternförmige Glia-Zellen; sind ihre Fortsätze nach einer Seite gerichtet, so nennt man sie bäum förmige u. s. f. Die grösste Zahl der Fasern, welche man überhaupt in der grauen uud weissen Substanz findet, kann auf die Fortsätze von Gliazellen be- zogen werden. Ob aber ausser den Gliazellen noch ähnliche zelhge und faserige Elemente mesodermaler Abkunft im Centrainervensystem vor- handen sind oder nicht, ist eine Frage für sich. Thatsächlich begleitet ja das Bindegewebe (abgesehen von den Pialfortsätzen [s. unten pag. 292]) die zahl- reichen im Rückenmarke vorhandenen Blutgefässe.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21443890_0310.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


