Lehrbuch der Histologie des Menschen : einschliesslich der mikroskopischen Technik / von A.A. Böhm und M. von Davidoff.
- Böhm, A. A. (Alexander A.), -1912
- Date:
- 1895
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Credit: Lehrbuch der Histologie des Menschen : einschliesslich der mikroskopischen Technik / von A.A. Böhm und M. von Davidoff. Source: Wellcome Collection.
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![Nur in seltenen Fällen ist die Form des Kernes eine ganz andere als die der Zelle und hier sind namentlich die Kerne der Leukocyten zu er- wähnen, die oft mehrfach eingeschnürt, manchmal sogar ringförmig sind (Loch- kerne). Bei gewissen Gliederthieren kommen verästelte Kernformen vor, die auch in den Hautdrüsen von Schildkröten angetroffen worden sind. Die Grösse der Kerne im Verhältniss zur Zelle ist Schwankungen unterworfen; besonders grosse Kerne finden sich z. B. in jungen Eizellen, in gewissen Epithelzellen etc. Das Innere des Kernes besteht zunächst aus einem Gerüste, in dessen Fäden Mikrosomen eingelagert sind. Bei Behandlung des Kernes mit bestimmten Färbestofien nehmen allein die letzteren Elemente des Gerüstes den Färbestoff auf, weswegen man die sie zusammensetzende Substanz als Chro- matin bezeichnet und ebenfalls von Chromatingerüsten spricht. Die übrigen Bestandtheile des Gerüstes bestehen aus einer Substanz, welche sich bei der Anwendung der gleichen Färbemittel nicht färbt und die man in Folge dessen zu den anderen Substanzen des Kernes, zum Achromatin, rechnet. Den achromatischen Bestandtheil des Gerüstes nennt man Linin. — Das Chromatin stellt man in chemischer Hinsicht zu den als Nu deine bezeichneten Eiweisskörpern. Betrachtet man grössere Kerne, deren Chromatinfärbung eine wohl ge- lungene ist, so sieht man, dass die Mikrosomen in dichter Anordnung und reihenweise im Liningerüst liegen. Letzteres durchsetzt den Kern in allen Richtungen. Zwischen den Lininfäden befindet sich der sogenannte, sich ebenfalls nicht färbende Kernsaft (Interfilarmasse, Paralinin, Nucleoplasma), —eine Substanz von einer mehr flüssigeren Beschaffenheit. Li ihr findet man in jedem ruhenden Kerne einen oder mehrere sich ebenfalls färbende Körper von meistens runder Form eingelagert. Diese Gebilde sind die Kern- körperchen oder echten Nucleolen; ihre Substanz färbt sich in ähn- licher Weise, wie die des Chromatins, aber etwas schwächer. Andere Rea- gentien, namentlich solche, die das Chromatin lösen, aber nicht die Substanz der echten Nucleolen, beweisen, dass der Stoff, aus welchem die letzteren bestehen, von dem des übrigen Chromatins verschieden ist, — man nennt ihn das Paranuclein (F. Schwartz). In manchen Fällen lassen sich im Linin Mikrosomen eigener Art nachweisen, die zu einer Substanz gehören, welche man als Lanthan in bezeichnet. Letztere Substanz färbt sich in saueren Anilinfarben, im Gegen- satz zu Chromatin, welches in basischen Anilinen sich färbt; daher auch die Namen Oxy- und Basichromatin. [M. Heidenhain (94)]. Im Gegensatz- zu den echten Nucleolen kommen in den Knotenpunkten des Lininnetzes noch die sogenannten, oft echte Nucleolen vortäuschenden Netzknoten vor, welche nichts anderes als dichtere Ansammlungen von Chromatin sind.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21443890_0059.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


