Lehrbuch der Histologie des Menschen : einschliesslich der mikroskopischen Technik / von A.A. Böhm und M. von Davidoff.
- Böhm, A. A. (Alexander A.), -1912
- Date:
- 1895
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Credit: Lehrbuch der Histologie des Menschen : einschliesslich der mikroskopischen Technik / von A.A. Böhm und M. von Davidoff. Source: Wellcome Collection.
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![EintheiluDg der Gewebe. frei liegende Ende derselben ist häufig durch Cuticularbildungen geschützt, — Bildungen, welche die Zelle selbst ausscheidet. In anderen Fällen ent- wickeln sich an der nämlichen Fläche bewegliche Fortsätze (Cilien), die nach einer bestimmten Kichtung das sie umgebende Medium bewegen, um ent- weder Fremdkörper zu entfernen, oder um das Medium selbst im frischen Zustande zu erhalten. Es ist begreiflich, dass das freie den äusseren Reizen mehr ausgesetzte Ende der Epithelzelle befähigter sein wird, spezielle Einrichtungen für die Sinneswahrnehmungen zu entwickeln (Sinneszellen). Hingegen bleibt die innere basale Fläche der Zelle meist von mehr indifierentem Charakter und dient einestheils zur Befestigung der Zelle, anderentheils zur Vermittelung ihrer Ernährung. In der Regel liegt auch der Kern der Zelle ihrer Basal- fläche genähert. Aus dem Gesagten ist ersichtlich, dass die beiden Enden der Epithel- zelle (Ekto- und Endodermzelle) verschiedenen Differenzirungsprozessen unter- liegen; das äussere ist mehr den animalen, das innere mehr den vegetativen Funktionen angepasst. Diesen Gegensatz hat man neuerdings als Polarität der Zelle bezeichnet Diese Polarität scheint auch dann noch erhalten zu bleiben, wenn die Zelle aus dem epithelialen Verbände austritt und andere Funktionen übernimmt [Rabl (90)]. Zu den beiden primären Keimblättern gesellt sich in späteren Stadien noch ein drittes Blatt, das zwischen ihnen liegt und als M e s o d e r m be- zeichnet wird. Letzteres entsteht hauptsächlich aus dem Entoderm und zwar zuerst als ein epithelial angeordnetes mittleres Keimblatt. Aus dem letzteren scheiden sich Zellen aus und kommen in die Spalten zwischen die Keimblätter zu liegen. Sie bilden zunächst ein Gewebe, das keine bestimmte Anordnung seiner Elemente erkennen lässt; die Zellen sind unregelmässig zerstreut und werden, so lange sie keine specifischen Charaktere annehmen, als Mesenchymkeime, das Ganze als Mesen- chymgewebe bezeichnet (0. und R. Hertwig). Sobald die Mesenchymzelle ihre Ursprungsstätte, das Mesoderm, ver- lässt, ändert sich auch ihre Beschaffenheit; ihre Konturen werden zackig; die Zacken ziehen sich zu langen dünnen Fortsätzen aus, welche sich ver- ästeln und mit ähnlichen Fortsätzen benachbarter Zellen anastomosiren können. Aus den betrachteten drei embryonalen Keimblättern gehen sämmtliche Gewebe hervor. Es würde indessen heutzutage schwer fallen, wollte man eine genetische, sich auf die Keimblätter beziehende Eintheilung der Gewebe geben, da es keinem Zweifel mehr unterliegt, dass identische Gewebselemente verschiedenen Keimblättern ihren Ursprung verdanken können. Die von uns befolgte Eintheilung bezieht sich lediglich auf den Bau der Gewebe im fertigen Zustande.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21443890_0077.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


