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Credit: Die Medicin in Wien während der letzten 100 Jahre. Source: Wellcome Collection.
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![grösserer Bedeutung als irgend eine einzelne Entdeckung, so über- raschend sie auch sein mag. An Ludwig's Stelle am Josefinum trat Ewald Hering, geb. 1834 zu Neugersdorf im Königreich Sachsen. Er war ein Schüler E. H. We- ber's, übte seit mehreren Jahren als Docent an der Universität Leipzig die Lehrthätigkeit aus und hatte sich durch seine Arbeiten über die Horopterfrage in fachmännischen Kreisen vortheilhaft bekanntgemacht. In Wien beschäftigte er sich mit dem Bau der Leber, stellte Versuche an über die Selbststeuerung der Athmung durch den N. vagus und über den Einfluss der Athmung auf den Kreislauf u. a. m. Bei der Auflösung der Josefs-Akademie wurde ihm das Lehramt der Physiologie an der Universität zu Prag verliehen, wo er seine bekannten Forschungen über den Lichtsinn und die Farbenlehre begann. Den Unterricht in den Naturwissenschaften am Josefinum ertheilten <lie Professoren Constantin von Ettingshausen, welcher Zoologie, Botanik und Mineralogie lehrte und jetzt an der Grazer Universität wirkt, und Franz Cölestin Schneider. Der Letztere wurde 1812 zu Krems geboren, studierte in Wien Medicin und Chemie, beschäftigte sich hierauf mit ärztlicher Praxis, zog es aber bald vor, seiner Neigung zur Chemie Folge zu leisten. Er nahm eine Assistenten- steile am chemischen Institut der Wiener Hochschule an, habilitirte sich 1850 als Docent für Chemie und erhielt 1852 das Lehramt der vorbereitenden Naturwissenschaften am niederen feldärztlichen Lehr- curs, welches er 1854 mit der Professur der Chemie an der Josefs- Akademie vertauschte. Seine Lehrbücher der allgemeinen Chemie für Mediciner und der gerichtlichen Chemie für Gerichtsärzte und Juristen fanden vielen Beifall. Ferner schrieb er über das elektrolytische Ver- halten des Quecksilbers und seine Nachweisbarkeit in thierischen Substanzen u. a. m. Im J. 1870 trat Schneider als ordentlicher Professor der Chemie in den Lehrkörper der Wiener Universität über; 1876 wurde er zum Ministerialrath und Referenten für Medicinalangelegenheiten im Ministerium des Innern ernannt. Die Lehrkanzel der Pharmakologie übernahm ein Militärarzt, Wenzel Beruatzik, geb. 1821 zu Teschen. Er schrieb über die Jod- präparate und die Jalappa und gab Erklärungen zur österreichischen Militär-Pharmakopöe heraus. Bei der Aufhebung der Anstalt trat er in den Ruhestand. ]s*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2100738x_0287.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)