Ueber die Radikaloperation der Leistenbrüche mit besonderer Berücksichtigung der Frage nach den Indikationen zur ablatio testis bei derselben.
- Hermann Krukenberg
- Date:
- 1886
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Credit: Ueber die Radikaloperation der Leistenbrüche mit besonderer Berücksichtigung der Frage nach den Indikationen zur ablatio testis bei derselben. Source: Wellcome Collection.
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![Gewebe verschlossen. Beim Hustenstoss kein Anprall. Rechter und linker Hode beide gleich gross. Fall 11: Wilhelm Knott, 8 Jahre alt, aus ]iIessdorf bei Bo&n, kam am 2. September 1883 wegen eines angeborenen rechts- seitigen Leistenbruchs in chirurgische Behandlung. Beider Geburt war nichts von einem Bruch bemerkt worden. Als der Knabe 1 Jahr alt war und anfing zu laufen, wälzte er sich nach Angabe der Eltern eines Tages unter lautem Schreien auf der Erde. Tags darauf wurde der Bruch bemerkt, der allmählich an Grösse zunahm. Aerztlicherseits wurde nun ein Bruchband verordnet, durch das aber der Brach nicht zurückgehalten werden konnte. Nachdem ein Jahr lang vergeblich Versuche mit der Anlegung eines Bruchbandes gemacht worden waren und der Bruch sich immer wieder neben demsellien hervorgedrängt hatte, wurde dieses weggelassen, und der Knabe gebt seitdem ohne Bruchband umher. Der Bruch erreicht zuweilen die Grösse zw-eier Fäuste und verursacht die heftigsten Schmerzen, so dass das Kind sich häufig unter Augenverdrehen und lautem Schreien an der Erde wälzt und mit Händen und Füssen um sich schlägt. Der Appetit blieb unverändert. Das Kind wollte jedoch nicht gedeihen, und die Beschwerden steigerten sich in der letzten Zeit so, dass die Eltern dringend eine Operation wünschten. Es wird bei der Aufnahme in das St. Johannishospital eine rechtsseitige congenitale Skrotalhernie von Gänseeigrösse con- statiert, deren Inhalt sich nur schwer und unvollkommen repo- nieren lässt. Es bleibt in dem Sacke immer ein ziemlich dickes Gebilde, anscheinend Netz, zurück. Die Bruchpforte ist sehr weit und lässt den Fini^er bequem passiren. Nach innen vom Bruch- sacke sind strangförraige Gebilde durchzufühlen. Der linke Leisten- kanal ist ebenfalls weiter als normal. Der Ernährungszustand des Knaben ist ein sehr schlechter. Derselbe leidet auch an Impetigo capitis. — Am 4. September wurde durch Herrn Dr. Witzel die Radikaloperation vorgenommen: Es wird eine 2 cm oberhalb des Lig. Poupartii beginnende und bis zur mittleren Höhe des Skrotums reichende schräg verlaufende Tn- cision gemacht. An der Aussenseite des Bruchsackhalses finden sich bündelartige Gebilde (Cremaster), die durchtrennt werden. Darunter erscheint der Plexus pampiniformis. Dieser lässt sich stumpf nicht vom Bruchsacke trennen. Es wird daher ein Ver- such gemacht, die zerstreuten, aufs innigste mit dem Bruchsack verwachsenen Venen mit dem Messer zu isoliren, wobei sich trotz der grössten Vorsicht Verletzungen und ausgedehnte Zerrungen der Gefässe nicht vermeiden lassen. In Anbetracht des günstigen Ausganges des Fall I, in dem dieser ganze Gefässplexus exstir- pirt wurde und der Nachtheile, die eine von diesen gequetschten Gefässtheilen ausgehende Phlegmone für den Wundverlauf und](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21215753_0065.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


