Volume 1
Die Lehre von den Geschwülsten mit einem mikroskopischen Atlas / von Max Borst. (63 tafeln mit 296 farbigen abbildungen).
- Maximilian Borst
- Date:
- 1902
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Credit: Die Lehre von den Geschwülsten mit einem mikroskopischen Atlas / von Max Borst. (63 tafeln mit 296 farbigen abbildungen). Source: Wellcome Collection.
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![derartige Sekretion dadurch für die Nutzbarmachung zu den Zwecken des Organismus hinfällig, weil in den betreffenden Geschwulstgeweben von vornherein jede höhere Organisation fehlt, welche wie in physiologischen Geweben — die etwa von gewissen sekretorischen Ein- heiten gelieferten Sekrete durch Ausführungsgänge an die gehörigen Orte ableitete; so häufen sich die Sekrete in den Geschwulstgeweben an und veranlassen hier Ektasien der secernierenden Epithelgewebe, Cystenbildung, degenerative Prozesse etc. Jedoch kommt es gelegent- lich sogar vor, dass von Geschwulstgeweben gelieferte Sekrete für die Zwecke des Organismus bis zu einem gewissen Grade nutzbar gemacht werden können, nämlich dann, wenn — wie bei Organen mit sog. innerer Sekretion (Schilddrüse, Nebenniere, Pankreas, Niere [?]) — besondere Einrichtungen für die Überführung der Sekrete nicht nötig sind, sondern letztere von den Stätten ihrer Bildung direkt in die Lymph- oder Blutgefässe aufgenommen werden können. Unter sol- chen Umständen kann es dazu kommen, dass selbst bei destruieren- den, vom Parenchym der eben genannten Organe ausgehenden Ge- schwülsten die Symptome eines Ausfalles der inneren Sekretion mehr oder weniger fehlen, indem das Parenchym der Geschwulst diese Seite der physiologischen Funktion des betreffenden Organes bis zu einem gewissen Grade auszuüben im stände ist. Wir können aber den Nutzen, der dem Gesamtorganismus aus dieser Leistung einer Geschwulst erwächst, nicht als einen von der ge- schwulstmässigen Neubildung von vorneherein angestrebten auf- fassen. Alle echten Geschwulstbildungen sind also von Hause aus nicht auf irgend eine nützliche Leistung gerichtet; wenn sich dennoch, wie in den angezogenen Fällen, seltenerweise eine vorteilhafte Seite der Neoplasie herausstellt, so lag sie sicher nicht im Plane der Neubildung, sondern sie lässt sich darauf zurückführen, dass manche Geschwülste noch den physiologischen Sekreten annähernd gleichwertige Produkte liefern, die nun in dem Falle, dass sie keinen Anspruch auf besondere Abfuhr machen, einfach und ohne Wahl und in gleicher Weise, wie die verderblichen Produkte der Geschwülste, in die Säftemasse aufgenommen werden und dadurch dem Gesamt- organismus zu gute kommen. Die Thatsache der primären Zweck- und Ziellosigkeit der Gewebsneubildung bei den Blastomen wird durch derartige accidentelle nützliche Seiten derselben in keiner Weise in ihrer Giltigkeit beeinträchtigt. Die vorhin erwähnten Beziehungen der Geschwülste zu ihrer Umgebung fordern ebenfalls einen Vergleich mit den anderen Formen von Gewebsneubildung heraus. Wir können die Verhältnisse kurz so ausdrücken, dass die organische Kontinuität der Gewebe bei jeder Form von Gewebsneubildung gewahrt ist, nur nicht bei den Blastomen. Für alle Formen der Regeneration und Hyperplasie ist das ohne weiteres klar: das neue Gewebe bildet sich aus dem alten](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21508033_0058.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)