Die Bestimmung der Frau : ihre Stellung zu Familie und Beruf / von H. Fehling.
- Fehling Hermann, 1847-1925.
- Date:
- 1892
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Credit: Die Bestimmung der Frau : ihre Stellung zu Familie und Beruf / von H. Fehling. Source: Wellcome Collection.
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![rascheren Tempo des durchschnittlichen Vorstellunasverlaufs; es ist durch einwandsfreie Versuche nachgewiesen, dass die Reiz- und Zeitschvvellen für Tast-, Temperatur-, Geschmacks- und Geruchssinn bei der Frau kleiner sind, als beim Mann. Da nun ein verschiedenartiger Bau der leitenden Organe, der Nerven, undenkbar ist, so muss ein angeborener oder er- worbener Unterschied im Bau und der Tätigkeit der Zentral- organe die Ursache sein. Die weitere Folge des rascheren Vorstellungsverlauls ist die blühende Phantasie, welche der Frau eigen ist, das durch- schnittlich raschere Sprachtempo, welches zumal bei Unge- bildeten im Affekt leicht einen bedenklichen Grad erreicht. Das geistige Sein der Frau ist demnach mehr vom Gefühl beherrscht und macht die Frau zu dem, was sie vorteilhaft vom Mann unterscheidet und sie für ihn schätzens- und be- gehrenswert erscheinen lässt. Wenn daher, wie Voltaire sagt, der Charakter von unseren Ideen und Gefühlen gebildet wird, so muss er bei der Frau ein anderer sein als beim ]\Iann. Auch die Liebe, die Art und Weise der Betätigung ist eine andere; der poetische Teil der Liebe überwiegt sicher beim Weib gegenüber dem sexuellen Teil, der sehr zurück- tritt; ja bei manchen trotz langer Ehe und gewissenhafter Erfüllung der ehelichen Pflichten nie zum lebendigen Aus- drucke kommt. Es ist eine völhg falsche Vorstellung, wenn behauptet wird, das Mädchen habe ebenso viel Drang zum andern Geschlecht als umgekehrt. Das Gefühl der Liebe bei der richtig erzogenen Jungfrau ist mehr der allgemeine Drang nach einem geliebten Gegenstand zur Ergänzung des eigenen Ichs; das Vortreten der geschlechtlichen Seite in der Liebe junger Mädchen ist etwas Pathologisches. Sexuelle Unkennt- nis ist der normale Zustand der aus den besseren Ständen in die Ehe tretenden jungen Frauen; es ist daher ein psycho- logisch falsches Beginnen unserer modernen Romanschrift- steller, durch Aufdecken der Nachtseiten des Lebens unserer Jugend die Ideale im voraus zerstören zu wollen. Auch](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2171454x_0020.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


