Volume 1
Lehrbuch der speciellen Pathologie und Therapie : mit besonderer Rücksicht auf Physiologie und pathologische Anatomie / von Felix von Niemeyer.
- Felix von Niemeyer
- Date:
- 1884-1885
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Credit: Lehrbuch der speciellen Pathologie und Therapie : mit besonderer Rücksicht auf Physiologie und pathologische Anatomie / von Felix von Niemeyer. Source: Wellcome Collection.
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![zunächst durch einen veränderten (compensatorischen) Athmungstypus: die Athemziige sind, da die Luft nur langsam durch die verengte Glottisspalte strömen kann, gedehnt, aber weniger frequent (bis zu 18 und 12 pro Minute) und stehen oft in grellem Contraste zu der meist beträchtlich gesteigerten Pulsfrequenz (120 und mehr). Der Grund dieser Respirationsverlangsamung ist noch nicht gefunden: Gerhardt verrauthet, dass hier die von J. Breuer entdeckte Selbststeuerung der Lunge einen bestimmenden Einfluss ausübe. Uebrigens tritt diese Er- scheinung nicht immer deutlich, insbesondere bei hohem Fieber, bei comp]icatorischer Pneumonie, bei heftigem Husten etc. nur wenig hervor. Das auffallendste Symptom nun, durch welches sich die in diesem Sta- dium sich ausbildende Glottisverengerung doeumentirt, ist das bekannte, auf Distanz hörbare, laryngeale Stenosengeräusch, aus welchem der Arzt oft schon an der Thür des Krankenzimmers errätli. um welches Leiden es sich handelt, wenn auch dieses Phänomen zunächst nicht Croup, sondern nur eine Laryngostenose verkündet, die bei Kindern allerdings in der Regel an Croup oder Pseudocroup sich knüpft, bei Erwachsenen hingegen meistens mit anderen Kehlkopfaffectionen zusammenhängt. Dieses Geräusch, welches man sich an jedem Kautschukrohre versinn- lichen kann, wenn man durch Fingerdruck eine Verengerung an ihm schafft, während man Luft hindurch bläst, kann sowohl bei der In- wie Exspiration vernommen werden, denn die Glottisverengerung ist beim Croup von solcher Art, dass sie sowohl das Ein- wie das Aus- strömen der Luft erschweren muss und also die Dyspnoe zugleich eine in- und exspiratorische (gemischte) ist; indessen tritt, wie ich mich vielfach überzeugte, das inspiratorische Geräusch (wohl wegen der hef- tigeren Kraftanstrengungen beim Einathmen) weit lauter und schärfer hervor, als das exspiratorische, oder es fehlt sogar das letztere bei massigen Graden durchaus. — In dem Maasse nun, als die Verenge- rung der Glottisspalte und die davon abhängende Dyspnoe sich stei- gern, bemerkt man bei der Athmung characteristische Formveränderun- gen am Thorax, welche dadurch entstehen, dass bei der Inspiration, während welcher der Thorax sich erweitert, die Luft nicht in ent- sprechender Menge einströmen kann und somit in der Brusthöhle eine Luftverdiinnung zu Stande kommt, welche eine Verdrängung der nach- giebigeren Stellen der Brustwand nach einwärts mit sich bringt. Wir sehen, dass bei jeder Inspiration das Epigastrium nicht her- vorgewölbt, sondern im Gegentheil mehr oder weniger tief und gewalt- sam nach Innen gepresst wird. Durch die Luftverdünnung im Thorax nämlich wird während der Ausdehnung desselben das Zwerchfell, ob- gleich es sich im Zustande der Contraction befindet, am Herabsteigen gehindert, ja selbst vom Atmosphärendrucke überwunden und sammt der Leber und Milz in die Höhe gedrängt, aspirirt. Ferner sieht man bei beträchtlicher Stenose, und um so ausgesprochener, je jünger das Kind und je biegsamer daher sein Brustkorb ist, beim Einathmen die nachgiebigen Stellen der Brust nach innen zurückweichen, so namentlich die untere Partie des Brustbeins sammt den entsprechenden Rippenknor- peln, ferner das Jugulum, die Überschlüsselbeingruben und die Jntereostal-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28124236_0001_0050.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


