Lehrbuch der Nervenkrankheiten : für Ärzte und Studierende / von H. Oppenheim.
- Date:
- 1908
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Credit: Lehrbuch der Nervenkrankheiten : für Ärzte und Studierende / von H. Oppenheim. Source: Wellcome Collection.
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![so prüfen wir noch einmal in sitzender Stellung, am besten so, daß Patient auf einem Tische sitzt und die Beine frei herabhängen läßt. ]\lan hat auch vorgeschlagen, während der Prüfung der Kniephänomene andere Reize zu applizieren, z. B. Nadelstiche, intensive Beleuchtung der Betina. Sie wirken nicht nur dadurch, daß sie die Aufmerksamkeit des Kranken nach einer andern Richtung ablenken, sondern scheinen den Reflex auch durch „Bahnung zu verstärken. Es wird ferner empfohlen, den Kranken während der Untersuchung tief inspirieren oder laut vorlesen zu lassen etc. etc. Auf diese und ähnliche Prozeduren habe ich jedoch immer verzichten können. Zur schnellen Orientierung kann man überhaupt zunächst die Unter- suchung an dem auf einem Stuhle sitzenden Individuum vornehmen, in- dem das Bein so aufgesetzt wird, daß der Unterschenkel mit dem Ober- schenkel einen rechten oder stumpfen Winkel bildet*). Ein Ausbleiben der Zuckung bei dieser Art der Prüfung ist aber nimmermehr ein Beweis, daß das Kniephänomen wirklich fehlt, und es ist dann stets eine erneute Untersuchung in der Bückenlage erforderlich. Die Steigerung des Kniephänomens ist daran zu erkennen, daß die Zuckung bei schwachem Klopfen, ja schon beim Auftupfen mit dem Finger deutlich resp. sehr stark hervortritt oder auch auf andere Muskeln • übergreift, oder daß sich — und dieses Zeichen ist ein zu- verlässigeres — statt der einmaligen Zuckung eine Summe von Zuckungen, ein Klonus des M. quadriceps einstellt. Weit seltener kommt es zu einer tonischen Anspannung desselben. Die Steigerung läßt sich zuweilen auch auf anderm Wege demonstrieren: Man umgreife mit Daumen und Zeige- finger die Patella von oben her, dränge sie plötzlich (ruckweise) nach abwärts und suche sie unter sanftem Nachgeben in dieser Stellung zu erhalten: es stellen sich dann klonische Zuckungen im Muskel ein, die erst aufhören, wenn man die Patellarsehne wieder in die Buhestellung zurückkehren läßt. Diese unter dem Namen Patellarklonus bekannte Erscheinung ist jedoch recht inkonstant. Auch von der Achillessehne aus läßt sich in der Begel eine Muskel- zuckung erzielen. Man lasse das Bein im Kniegelenk mäßig beugen, er- greife den Fuß, dränge die Fußspitze sanft nach oben (ohne daß der Kranke aktiv diese Dorsalflexion unterstützt) und richte nun mit dem Perkussionshammer einen leichten Schlag gegen die Achillessehne. Die Folge ist eine Plantarflexion des Fußes. Es sind auch Modifikationen dieser Prüfung von Schultze, Straß- burger u. A. beschrieben worden. Für weitaus die beste Methode halte ich die von Babinski eingeführte, nach welcher die Achillessehne des auf einem Stuhle knieenden Patienten beklopft wird. Die Füße müssen dabei am Stuhlrande frei herabhängen. Das Phänomen von der Achillessehne ist schon bei Gesunden keine ganz konstante Erscheinung oder doch wenigstens bei diesen nicht immer deutlich hervorzurufen. Bei Untersuchung nach der eben angegebenen Babinskischen Methode habe ich es allerdings bei gesunden In- dividuen nur außerordentlich selten vermißt. Aber es kommen an der Achillessehne und ihrer Umgebung häufiger als im Bereich der Patellarsehne jene nicht vom Nervensystem ausgehenden Veränderungen *) Es ist mir unverständlich, wie noch in sonst guten Lehrbüchern der Diagnostik die Prüfung am Sitzenden als die brauchbarste empfohlen werden kann.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21925367_0031.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


