Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende / von Eduard Henoch.
- Date:
- 1887
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Credit: Vorlesungen über Kinderkrankheiten : ein Handbuch für Aerzte und Studirende / von Eduard Henoch. Source: Wellcome Collection.
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![Ji.C Ml ’ 4lti u,.. I* . iii. t'- t ■; ’ ■ r t -,v' i ' »I 2 1, i. I an Icterus leiden. Die bei Erwachsenen so charakteristische Verlangsa- niung des Pulses in dieser Krankheit habe ich im kindlichen Alter bis i etwa zum 7. Jahre nie beobachtet und kann den Grund dafür nur in j der erwähnten Erregbarkeit des Herznervensystems suchen, welche den j hemmenden Einfluss der Gallensäuren vollständig compensirt. Eine rieh- j tige Zählung des Pulses kann daher, zumal bei kleinen Kindern, ebenfalls ’ nur im Schlafe vorgenommen werden und gelingt auch oft, sobald man sich nur recht still verhält und die Spitze des Zeigefingers sanft auf die Radialarterie legi Man hat dabei nur den Umstand zu beachten, dass ‘ der Puls auch bei vollkommen gesunden Kindern während des Schlafes zuweilen etwas unregelmässig ist, was durchaus nichts Beunruhigendes ^ hat Ebenso wenig hat die Unregelmässigkeit, selbst Verlangsamung des Pulses, welche in der ßeconvalescenzperiode stark fieberhafter I Krankheiten (Pneumonie, Typhus, Masern u. s. w.) mitunter wochen- 'j lang beobachtet wird, eine wesentliche Bedeutung, wenn ihre Ursache | auch nicht klar vorliegt. Durch Zählungen im wachen Zustande lassen ] sich, abgesehen von einzelnen Ausnahmsfällen und von schon älteren I Kindern, nie zuverlässige Resultate erhalten, und daraus erklärt es sich wieder, dass die von den verschiedenen Autoren erhaltenen Ziffern so ; erheblich von einander abweichen. Im Durchschnitt glaube ich für die ersten Lebensmonate eine Fre- quenz von 120—140, für das zweite Jahr von 100— 120 als die nor- male betrachten zu müssen, worauf dann eine allmälige Abnahme er- folgt. Bei Kindern von 3—6 Jahren überschreitet die Pulszahl immer noch 90, und erst nach der zweiten Dentition nähert sie sich mehr und mehr den Verhältnissen der Erwachsenen, In entsprechender Weise ge- staltet sich nun die Frequenz der Respiration, wobei man immer das Verhältniss derselben zum Pulse, wie etwa 1 : 3V2 bis 4, im Auge zu behalten hat. Ich wiederhole indess, dass man gerade im Kindesalter aus den schon angegebenen Gründen mit solchen Durchschnittsberech- nungen für die Praxis wenig oder gar nichts gewinnt. Nur unter ganz bestimmten Umständen bekommt hier die Zahl der Pulse eine diagnostische oder prognostische Bedeutung, so die Verlangsamung der- selben im Beginn, die colossale Beschleunigung am Schluss der tuber- culösen Meningitis, und die enorme Frequenz im Scharlachfieber. Im Allgemeinen erschien mir immer der Rhythmus und die Qualität des Pulses von weit grösserer Bedeutung für den Arzt. Die Ungleichheit und Unregelmässigkeit der Schläge in der ersten Periode der Meningitis tuberculosa, das Kleinwerden und allmälige Schwinden der Pulswelle in schweren Krankheiten, zumal infectiöser Natur — das sind Momente](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21995618_0026.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


