Die acute Entzündung des häutigen Labyrinthes des Ohres (Otitis labyrinthica s. intima) irrthümlich für Meningitis cerebro-spinalis epidemica gehalten : für praktische Aerzte dargestellt / von R. Voltolini.
- Friedrich Eduard Rudolf Voltolini
- Date:
- 1882
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die acute Entzündung des häutigen Labyrinthes des Ohres (Otitis labyrinthica s. intima) irrthümlich für Meningitis cerebro-spinalis epidemica gehalten : für praktische Aerzte dargestellt / von R. Voltolini. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The Royal College of Surgeons of England. The original may be consulted at The Royal College of Surgeons of England.
81/84 (page 77)
![an Lähmung der Hörnerven als Grand der vorliandenen Gehörlosig- keit unmöglich gezweifelt werden konnte. Wir hätten hier einen Fall analog der commotio bulhi resp. nervi optici und man wird in diesem Palle jedenfalls die Ursache der Taubheit elier in das Labyrinth setzen müssen, wo eine Erschütterung sehr wohl zerrüttend wirken kann, als'in die beiden Gehörnerven jenseits des Labyrinthes, da alsdann wohl noch weitere Gehii-n- resp. Nervenerschemungen eingetreten wären. Wenn wir sonach gezeigt haben, dass die Otitis labyrintlüca keine Meningitis cerebro-spiualis epidemica sein kann, Aveder eine Abortivform noch eine ausgebildete Form derselben, schon deshalb nicht, weil die ersten Spuren dieser Meningitis erst im Jahre 1851 [in Würzburg] zu finden sind und sie festen Fuss erst 1863 in Deutschland gefasst hat, die Otitis labyrinthica aber von Kramer bereits vor dem Jahre 1849 genau beobachtet Avorden ist, so können wir diese Opposition gegen meine Otitis lalpyriuthica als abgethan und sie nur als „eingebürgert“ in den Köpfen der Oppo- nenten ansehen. Es könnte sonach nur noch an eine geAvöhnliclie Meningitis, sporadische Meningitis gedacht Averden, denn an eine Meningitis luberculosa [Hydroceplialus acutus] ist gar nicht zu denken. Wer alle diese Krankheiten schon jemals gesehen und beliandclt liat, der wii'd sofort davon abstehen, die Otitis labyrinthica dm-cli eine sporadische Meningitis erklären zu wollen. Niemeyer |1. c. S. 66] sagt: „Bei letzterer [sporadischen Meningitis] sind Taul)heit, Diplopie, Ptosis, Zerstörungen des Auges, Lähmungen des Facialis, Paraplegie und Hemiplegie, wenn sie überhaupt Vorkommen, höchst seltene Erscheinungen; aber es wird uns keinesAvegs schwer, eine vollständig genügende Erklärung dieser Differenz zu geben. Bei der spora- dischen Meningitis mit eiterigem Exsudate ist es so sehr die Hegel, ■dass der Process auf die Couvexität der Hemisphären beschränkt bleibt, dass man sie nicht selten geradezu als. acute Meningitis der Convexität bezeichnet und der tuberculösen Basilarmeningitis gegenüberstellt.“ Es steht somit fest, dass die Otitis labyrinthica eine selbstständige, häufige und in allen Gegenden vorkommende •Kinderkrankheit ist, die quoad vitam die allergünstigste Prognose, quoad auditum aber die allerschrecldichste Prognose giebt, als sic unheilbare Taubheit, Taubstummheit nach sich zielit.^ Untei- Um-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22336333_0083.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)