Über Hemianopsie und ihr Verhältniss zur Topischen Diagnose der Gehirnkrankheiten / von Hermann Wilbrand.
- Wilbrand, Hermann, 1851-1935.
- Date:
- 1881
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Credit: Über Hemianopsie und ihr Verhältniss zur Topischen Diagnose der Gehirnkrankheiten / von Hermann Wilbrand. Source: Wellcome Collection.
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![treten häufig zugleich mit der rechtsseitigen lateralen Hemianopsie aphasische Symptome auf. Von 74 Fällen rechtsseitiger lateraler Hemianopsie finden wir bei 31 Fällen Sprachstörungen mit verzeichnet, also beinahe in der Hälfte der auf Tab. Ib. scizzirten Krankenge- schichten. Dazu gesellen sich noch folgende Fälle, deren in der ]ji- teratur nur vorübergehend Erwähnung geschieht. Berthold (Berl. klin. W. 1871. 46) giebt eine kurze Notiz, dass er 2 Fälle von Hemianopsie beobachtete, von denen der eine mit linksseitiger Ahaesthesie, der andere mit Aphasie complicirt war. Hughlings-Jackson fand (Nagel's J. 1874. 440) einigemal •partielle Aphasie bei lateraler rechtsseitiger Hemianopsie. Airy bemerkt (Nagel 1870. 358) dass bei der Amaurosis fugax bei einigen seiner Kranken die Sprache und das Gehör angegriffen war; während der Anfälle seien auch hemiplectische Anwandlungen bemerkt worden. Bernhardt sagt (Berl. klin. W. 1872 p. 383): „Es giebt ferner Fälle von Aphasie, welche immer Stunden oder Tage andauern, voll- ständig zurückgehen können, um gelegentlieh wieder zurückzukehren, und welche ebenfalls mit Hemianopsie, und zwar nur für die Dauer des aphasischen Zustände's, complicirt sind. Es sind solche Kranke meist chronisch herzleidend oder Epileptische. Gueneau de Mussy (Virch. und Hirsch. J. 1879 IL 2. 464) beobachtete einen Fall, in dem Sehstörungen (doch wahrscheinlich He- mianopsie) der Aphasie voran geschritten, und der Kranke während mehr als 12 Tagen sich mit Leichtigkeit und Eleganz ausdrücken konnte. Er beschrieb mit Präcision alle Nüancen seiner Eindrücke, aber es war ihm unmöglich, zu lesen. Er sah die Buchstaben ganz deutlich, aber er hatte ihre Bezeichnung vergessen. Die Medien der Augen waren vollständig klar und der ophthalm. Befund durchaus normal. Der Kranke schrieb automatisch die Worte, die man ihm dictirte auf, aber er konnte nicht lesen, was er geschrieben, und schrieb genau so mit offenen, wie mit geschlossenen Augen. Schliess- lich verlor der Kranke die Sprache und gleichzeitig trat leichte Parese der rechten Gliedmassen auf. Dieser Zustand dauerte seit einem Jahre. — üeber Aphasie mit Amaurose (?) veröffentlicht auchR. Mathewson einen Fall, der mir nicht zu Gebote steht (in Proced. of the med. Soc. of the county of Kings, VIII. 7 p. 214). Da die Arter. foss. Sylvii mit .ihrem vorderen Ast die III. Stirn- windung mit Blut versieht, mit ihrem hinteren* Aste aber die Insula Reilii und einen grossen Theil des Occipitallappens (Schoen, A. F., Heilkunde XVI. 21), so ist es leicht erklärlich, dass bei Embolie oder Aphasie in diesem Gefässgebiet, vorübergehend laterale Hemi- anopsie als Erscheinung des apoplectischen oder embolischen Insultes die stationär bleibende Aphasie begleitet, wie in dem Falle Tab. Ib. 12, oder die Aphasie vorübergehend, die stationär bleibende late- 13*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2164164x_0207.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


