Einführung in das Studium der Bakteriologie : mit besonderer Berücksichtigung der mikroskopischen Technik für Aerzte und Studirende / bearbeitet von Carl Günther.
- Günther, Carl, 1854-1929.
- Date:
- 1893
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Credit: Einführung in das Studium der Bakteriologie : mit besonderer Berücksichtigung der mikroskopischen Technik für Aerzte und Studirende / bearbeitet von Carl Günther. Source: Wellcome Collection.
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![auch bei Sarcinen ') vorkommen können. Die Sporenbildung tritt aber bei den sporenbildenden Arten nicht ohne Weiteres jedesmal ein, wenn der Nährboden sich verschlechtert; es gehören hierzu noch ganz be- sondere Bedingungen, die für die verschiedenen Arten verschieden sind. Der Vorgang bei der Sporenbildung ist im Allgemeinen der, dass zunächst eine kleine Stelle des Bacillenleibes anfängt körnig zu werden, dass dann diese körnig gewordene Stelle an Ausdehnung zunimmt, sich durch eine feste, eigene Membran abschliesst gegen das übrige Bacillenprotoplasma, und dass der Inhalt dieser Membran dabei eine homogene Beschaffenheit annimmt. Es findet sich dann an der ge- nannten Stelle ein homogenes, ölartiges, das Licht stark brechendes, bei hoher Einstellung des Mikroskoptubus stark glänzend, bei tiefer Einstellung dunkel erscheinendes, meist länglichrund gestaltetes Kör- perchen, welches von der erwähnten Membran umschlossen wird. (Vgl. hierzu Taf. VI, Fig. 34: Lebende Milzbrandbacillenfäden mit Sporen.) Vor der Sporenbildung kommen übrigens die eigenbeweglichen Bacillen- individuen stets zur Ruhe. Ist die Spore in der geschilderten Weise fertig gebildet, so beginnt der übrige Bacillenleib zu zerfallen, und die Spore ist dann isolirt; sie bleibt dann unverändert, bis sie nach längerer oder kürzerer Zeit wieder auf 'einen günstigen Nährboden geräth. Dort keimt dann die Spore zu einem Bacillus aus, welcher sich durch Zweitheilung in der bekannten Weise weiter vermehrt. Die Sporen bezeichnet man als Dauerformen oder reproductive Formen gegenüber den sich zweitheilenden Formen, die man als vegetative oder als Wuchsformen bezeichnet. Die Auskeimung der Spore, die Sporenkeimung, geht bei den verschiedenen Bacillenarten in verschiedener Weise vor sich. Bei dem Milzbrandbacillus z. B. verlängert sich die Spore in ihrer Längsachse, der Inhalt verliert sein glänzendes Aussehen, die Sporenmembran ver- wandelt sich ohne Weiteres in die Bacillenmembran, der Bacillus ist fertig. Bei anderen Bacillenarten kommt der Bacillus durch ein Loch in der Membran der Spore aus der letzteren heraus, die Sporen- membran kann dem jungen Bacillus wie eine Kappe aufsitzen etc.2) Die Sporenbildung kann in der Mitte des Bacillus auftreten (mittelständige Sporen), oder sie kann an einem Ende des Bacillus auftreten (endständige Sporen). In dem letzteren Falle kommt es dann, wenn die Bacillen einzeln liegen, zur Bildung soge- *) G. Häuser, Ueber Lungensarcine. (Sitz.-Ber. Phvs.-Med. Soc. Erlangen 1887. [München 1888.] p. 20.) '-) Vergl. A. Koch, Bot. Ztg. 18S8. No. 18—22.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21724428_0030.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)