Einführung in das Studium der Bakteriologie : mit besonderer Berücksichtigung der mikroskopischen Technik für Aerzte und Studirende / bearbeitet von Carl Günther.
- Günther, Carl, 1854-1929.
- Date:
- 1893
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Credit: Einführung in das Studium der Bakteriologie : mit besonderer Berücksichtigung der mikroskopischen Technik für Aerzte und Studirende / bearbeitet von Carl Günther. Source: Wellcome Collection.
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![sich bisher als unmöglich herausgestellt. Das aber muss betont weiden, dass verschiedene Culturen des Streptococcus longus eine ganz verschiedene Virulenz besitzen können. Als Reagens hat sich in dieser Beziehung am brauchbarsten die weisse Maus erwiesen. Nach subcutaner Einverleibung kleiner Quantitäten sehr virulenter Bouilloncultur gehen diese Thiere nach 3 bis 4 bis 6 Tagen zu Grunde. Man findet Eiterung an der Infectionsstelle und eine durch die Streptococcen veranlasste Septicaemie; die Milz ist ver- grössert. Ist die Virulenz geringer, so wird die Krankheitsdauer ver- längert, und es können sich dann auch Eiterherde in den Organen finden. Der Tod tritt dann manchmal erst nach Wochen oder sogar Monaten ein. Es hat sich nun durchgehend eine gewisse Beziehung zwischen dem Virulenzgrade und dem Aussehen der Bouilloncultur constatiren lassen: Je mehr der Streptococcus longus die Neigung zeigt sich in seinen Vegetationen in der Nährbouillon zu fest verfilzten Haufen zusammenzuballen, desto mehr viru- lent ist er für weisse Mäuse. Für die sich fest zusammenballenden, sehr virulenten Streptococcen hat Kurth1) den Namen „Strepto- coccus conglomeratus erfunden. Es muss aber nochmals darauf hingewiesen werden, dass die letztere Bezeichnung nicht etwa eine für sich abzugrenzende Art bedeutet. Eür Kaninchen sind die langen Streptococcen ebenfalls pathogen. Auch hier schwankt die Virulenz ausserordentlich. Bei subcutaner Einverleibung können die Thiere an schnell (in wenigen Tagen) ver- laufender Septicaemie sterben, oder aber es kann sich auch ein längerer Krankheitsprocess an diese Infection anschliessen; stirbt das Thier dann nach Wochen, so findet man Eiterherde in den Organen, eitrige Pleuritis und Pericarditis etc. Bei c u t a n e r Einverleibung bekommen die Kaninchen meist erysipelatöse Affectionen. Bei geringerer Virulenz des Impfmaterials kann die Entwickelung des Erysipels ausbleiben2). Es hat sich übrigens herausgestellt, dass eine Cultur, die für Kaninchen besonders virulent ist, deshalb nicht auch für Mäuse besonders virulent zu sein braucht, und umgekehrt. l) Kurth fand solche Streptococcen ausschliesslich bei schweren Schar- lachfällen. -) v. Lingelsheim (Zeitschr. f. Hyg. Bd. 12. 1892. p. 317) konnte das Erysipel in solchen Fällen oft noch dadurch hervorrufen, dass er an der geimpften Stelle (er benutzte [cf. auch oben p. 305] das Ohr des Kaninchens) Kreislaufstörungen herstellte (Anbringung eines Collodium- oder Heftpflasterstreifens).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21724428_0327.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)