Die Hebdomadenlehren der griechischen Philosophen und Ärzte : ein Beitrag zur Geschichte der griechischen Philosophie und Medizin / von Wilhelm Heinrich Roscher.
- Wilhelm Heinrich Roscher
- Date:
- 1906
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Credit: Die Hebdomadenlehren der griechischen Philosophen und Ärzte : ein Beitrag zur Geschichte der griechischen Philosophie und Medizin / von Wilhelm Heinrich Roscher. Source: Wellcome Collection.
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![D. Die Hebdomaden der Orphiker. Da bekanntlich „tlie meisten und ausführlichsten Nachrichten über die Lehren der Orphiker erst den Zeiten des ausgehenden Altertums verdankt werden, als die späten Erben Platons, die sogen. Neuplatoniker, mit Vorliebe auf jene ihnen willkommenen und wahlverwandten Lehren zurückgriffen und zahlreiche Berichte sowohl als Anführungen aus den orphischen Dichtungen ihren Schriften einverleibten; da ferner die orphische Doktrin kein ein- heitliches Ganzes bildet, sondern mannigfache geschichtliche Fort- bildungen erfahren hat, so hat man sich bis vor kurzem auf den streng kritischen Standpunkt gestellt, die betr. Zeugnisse als voll- gültig nur für das Zeitalter anzuerkennen, dem sie entstammen.“ Das ist jedoch mit einemmal anders geworden seit der Entdeckung jener merkwürdigen, aus unteritalischen Gräbern des 4. und 3. vorchristlichen Jahrhunderts stammenden Goldplättchen, auf denen orphische Verse erscheinen, die bisher nur durch eine An- führung des Proklos (5. Jahrh. n. Ohr.) bekannt warenso daß „deren Altersgewähr mit einem Schlage einen Zuwachs von sieben Jahrhunderten erhalten hat.“ Ebenso begegnet uns Phanes, wohl die wichtigste Gestalt des orphischen Göttertums, die bis dahin nur durch Diodor bezeugt war, nunmehr ebenfalls auf einem solchen Täfelchen aus Thurioi. Mit Recht meint daher Gomperz (Gr. Denker^ I 69), „daß sich die bisher geübte Kritik in diesem Falle als Hyperkritik, das Übermaß behutsamer Vorsicht als ein Mangel richtiger Einsicht erwiesen habe, und daß es sich daher empfehle, lieber dem Irrtum in Einzelheiten einen mäßigen Spiel- raum zu gewähren, statt sich durch überängstliche Anwendung einer an sich nicht grundlosen methodischen Regel den Einblick in den inneren Zusammenhang der Lehren zu verbauen und jedes Bestandstück derselben nur eben dem Zeitalter zuzuweisen, für •* 17) Gomperz a. a. 0. 429 f. Diels, Festschrift f. Gomperz [1902] S. i ff. .Jane Harrison, Prolegom. to the Study of Greek relig. 665. Diels, Fragm. d. Vorsokrat. 8.494!’. Eohde, Psyche ^ II 217 f. Dieterich, Mithrasliturgie S. 197!. Vgl. auch Nestle im Philologus 64 (1905) S. 368, Anm. 6 und die hier an- geführte weitere Literatur.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24876562_0024.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)