Die Hebdomadenlehren der griechischen Philosophen und Ärzte : ein Beitrag zur Geschichte der griechischen Philosophie und Medizin / von Wilhelm Heinrich Roscher.
- Wilhelm Heinrich Roscher
- Date:
- 1906
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Credit: Die Hebdomadenlehren der griechischen Philosophen und Ärzte : ein Beitrag zur Geschichte der griechischen Philosophie und Medizin / von Wilhelm Heinrich Roscher. Source: Wellcome Collection.
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![welches sein Dasein unzweideutig bezeugt ist.“^®) Indem ich diesen wohlbegründeten methodischen Standpunkt des ausgezeichneten Forschers vollkommen teile, bitte ich, das Folgende zunächst nur als einen Versuch zu betrachten, die Zahlen- und Hebdomaden- lehre der Orphiker als Ganzes einigermaßen verständlich zu machen und in den richtigen historischen Zusammenhang einzureihen, wobei ich von vornherein gern zugebe, daß Irrungen im einzelnen (für deren Nachweis ich nur dankbar sein werde) nicht aus- geschlossen sind. Wie die neuere Forschung auf dem Gebiete der Geschichte der griechischen Literatur und Philosophie ergeben hat, daß die Lehren des Pythagoras und seiner Schule mit denen der Orphiker innig Zusammenhängen^®), so waren schon die Neuplatoniker des 5. Jahrh. n. Ohr. (Jamblichos, Proklos, Syrianos) fest davon über- zeugt, daß die Zahlenlehre der Pythagoreer mehr oder weniger direkt von derjenigen der Orphiker beeinflußt sei. Daher sagt z. ß. Jamblichos Vit. Pythag. 28, p. 304 [== Abel, Orphica fr. 141] ganz unzweideutig: ’^Sig rf^g lIvd^ayoQiy.fjg äQt&^iov &eoXoyiag • 18) Nach Gomperz, Griech. Denker^ I 69 und 429 f. 19) Gomperz a, a. 0. I ii2ff. Rohde, Psyche ^ II 107 f. 160. 167. Rohde, a. a. 0. S. 107 sagt darüber: „Man muß jedenfalls festhalten, daß das Zusammen- treffen orphischer und pythagoreischer Lehren auf dem Gebiete der Seelenkunde nicht ein zufälliges sein kann. Fand etwa Pythagoras, als er (um 532) nach Italien kam, orphische Gemeinden in Kroton und Metapout bereits vor und trat in deren Gedankenkreise ein? Oder verdanken (wie Herodot es sich vorstellte) die nach Orpheus benannten Sektierer ihre Gedanken erst dem P3ffhagoras und dessen Schülern? Wir können nicht mehr mit voller Deutlichkeit unterscheiden, wie hier die Fäden hin und wieder liefen. Wenn aber wirklich die Pytha- goreer allein die Gebenden gewesen wären, so würde ohne Zweifel die gesamte orphische Lehre mit solchen Vorstellungen durchsetzt sein, die zu dem eigentlichen Besitz der pythagoreischen Schule gehören. Jetzt finden wir in den Trümmern orphischer Gedichte außer geringfügigen Spuren pythagoreischer Zahlenmystik nichts, was not- wendigerweise erst aus pythagoreischer Quelle den Orphikern zugeflossen sein müßte.“ Vgl. dazu Rohdes Anm. 2 a. a. 0. Ich hoffe im folgenden wahrscheinlich machen zu können, daß auch die orphisclie Zahlenmystik oder Zahlenlehre von der pythagoreischen im wesentlichen ebenso unabhängig ist (oder wenigstens sein kann) wie ihre Seelenlehre. Übrigens ist von besondei’er Bedeutung, daß bereits Ion V. Chios bei Diog. L. 8, 8 fvgl. Giern. Al. Str. I 131 p. 397 P. und Diels, Vorsokrat. p. 231, I ff.) den Zusammenhang des „Pythagoreismus“ mit der orphischen Lehre anerkennt, wenn es a. a. 0. heißt: ’Tmp dt 6 Xiog tp roig T^iccyfioig (ptjOiv kviop [Pyth.] ivLci 7T.()trj(Savra KVtviyKSiv tig '0(j(pta.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24876562_0025.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)