Zur Diagnose und Therapie des Gebärmutterkrebses / von Leopold Landau.
- Landau, Leopold, 1848-1920.
- Date:
- 1889
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Credit: Zur Diagnose und Therapie des Gebärmutterkrebses / von Leopold Landau. Source: Wellcome Collection.
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![* 11] Zur Diagnose und Therapie des Gebärmutterkrebses. 9429 ist, müssen wir uns an das fertige Strukturbild des Carcinoms halten, und dürfen diese mikroskopische Diagnose nur dann stellen, wenn wir klipp und klar den typischen histologischen Bau des Carcinoms finden. Wir dürfen zwar in klinischer Beziehung von beginnendem d. h. noch nicht weit vorgeschrittenem Carcinom reden, aber ein beginnendes Car- cinom in mikroskopischem Sinne kennen wir noch nicht. Glücklicher Weise können wir uns in der grössten Anzahl der Fälle der mikroskopischen Untersuchung entschlagen, insofern als die makro¬ skopischen durch Inspektion, Palpation und die Symptome erkennbaren Charaktere des Carcinoms klar und deutlich sind. In einem zweifelhaften Falle, in welchem das Mikroskop auch nicht eindeutige Bilder liefert, werden wir uns ohne Schaden, ja mit dem grössten Vorteil für die Kranken, der »minderwerten, ja in den einzelnen Fällen selbst direkt un¬ wissenschaftlichen Methode bedienen, nach dem Verhalten ex juvantibus et nocentibuscf zu urteilen und danach zu handeln. Ich kann diesen meinen Standpunkt nicht treffender kennzeichnen als dies Billroth bezüg¬ lich gewisser Carcinomfälle der Brust gethan hat, der sagt: Wie in vielen ähnlichen Fällen auf dem Gebiete der Pathologie findet man in solchem Dilemma zuweilen mehr Halt in den klinischen Erscheinungen und dem Verlauf, als in der, wie Heinrich Meckel zu sagen pflegt, bornirten anatomischen Analyse. Ich kann hier nicht darauf eingehen, wie sich ein Carcinom makro¬ skopisch in seinen frühesten Anfangsstadien dar stellt; wir kommen ja über¬ haupt leider nur in einer verschwindend geringen Anzahl dazu, ein solches zu sehen, da eine Frau im Anfangsstadium des Carcinoms nicht solche Be¬ schwerden hat, dass sie ärztliche Hilfe aufsucht, und andererseits, was fraglos ist, der Krebs im Beginn nur verschwommene Zeichen darbietet, wie Ausfluss und Blutungen, die bei der Frau auch sonst nicht selten sind. Was wir Anfangsstadium nennen, ist gar kein frühes, denn sehen wir uns z. B. die Abbildungen der drei frühesten von St ratz1) beobachteten Stadien von Carcinom an, so haben wir hier, wie mir scheint, bereits verhältnissmässig weit vorgeschrittene Carcinome vor uns. Wenn wir ein verdächtiges Geschwür oder einen verdächtigen Knoten an der Portio wahrnehmen, so werden wir allerdings die mikroskopische Untersuchung excidirter Partikelchen nicht verabsäumen, und falls die¬ selbe das typische Bild eines Carcinoms liefert, operiren, wenn aber dieses Bild ein zweifelhaftes ist, das Geschwür aber ausheilt, werden wir uns nach der mikroskopischen Diagnose nicht richten. Umgekehrt aber werden wir, wenn die lokale und allgemeine Behandlung eines 1) Stratz, Zur Diagnose des beginnenden Carcinoms an der Portio. Zeitschr. f.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b30583925_0013.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


