Erklärung des Stotterns : dessen Heilung und Verhütung / von Dr. Ferdinand Gruenbaum.
- Gruenbaum, Ferdinand.
- Date:
- 1897
Licence: Public Domain Mark
Credit: Erklärung des Stotterns : dessen Heilung und Verhütung / von Dr. Ferdinand Gruenbaum. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University Libraries/Information Services, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University.
31/76 page 25
![die ihm besonders schwer fallen, oder sucht dieselben durch andere zu umschreiben z. B. »nicht ein« für »kein«. Mit Absicht werden falsche Antworten gegeben; so sagt die Kleine stets, sie sei zwei Jahre alt. Beim Singen und in der Flüstersprache wird gut gesprochen. Die Atmung ist während des Sprechens unregelmäfsig. Es wird recht häufig ein- und ausgeatmet, zuweilen wird der Luftstrom nicht zur Lautbildung benutzt, und dann sieht man, wie das Kind den Mangel an Luft durch Anstrengung aus- zugleichen strebt. Keine Spuren von Rachitis oder Skro- fulöse. Die äufseren Artikulationsorgane normal. Im Nasen-Rachenraume nichts Krankhaftes. Beide Sprachstörungen -- Sprachlosigkeit und Stottern — verdanken derselben Ursache, nämlich der seelischen Erschütterung, ihre Entstehung. Hat der Anblick des sterbenden Kindes, des einzigen Lieblings, welcher der Mutter vergönnt war, die Sprachlosigkeit erzeugt, nach- dem durch die vielen Nachtwachen der Boden hierzu vorbereitet war, so wurde das Stottern durch die grauen- erregenden Erzählungen des Kindermädchens hervorgerufen. Auch zum Stottern gehört ein geeigneter Boden und in diesem Falle ist ebenfalls das geschwächte Nervensystem zu beschuldigen. Wir wollen nicht entscheiden, ob die Nervenschwäche ererbt oder erworben wurde. Beide Mög- lichkeiten bestehen hier. In der Familie kamen zwar ernste Nervenerkrankungen nicht vor, doch macht der Vater auf mich einen nervösen Eindruck. Andererseits ist die Blut- vergiftung, welche das Kind durchzumachen hatte, wohl imstande, eine Veränderung im Nervensystem eintreten zu lassen. Wir erkennen also vorerst, dafs Sprachlosigkeit und Stottern durch dieselbe Disposition und dieselbe Gelegenheitsursache entstanden ist, und die Frage liegt nahe, weshalb sich in dem einen Falle Sprachlosigkeit, in dem anderen Stottern entwickelt hat. Die sprachlose Kranke ist 5.] Jahre, die stotternde Kranke 4 Jahre alt.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21220499_0031.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


