Lehrbuch der Physiologie des Menschen. 1: Muskel- und Nervenphysiologie / von J.M. Schiff.
- Date:
- 1858-59
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Credit: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. 1: Muskel- und Nervenphysiologie / von J.M. Schiff. Source: Wellcome Collection.
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![nes Gleichgewicht zu suchen; dass sich viehnehr die Thiere 2;ar nicht anhaltend Deweo;en, sondern dass sie nur dan«, wenn sie durch Sinnes- vorstellungen („Willen^) zu cerebraler Thätigkeit angeregt werden, der- selben eine je nach der Verletzung verschiedene eigenttiümliche Form ertheilen. Sogleich nach der Verletzung des Sehhügels oder Hirnschenkels sind die Thiere munter und wenn sie vor der Operation auch gesättigt schienen, fingen sie doch gewöhnlich unmittelbar nach derselben so- gleich mit Gier zu fressen an, und setzen dies, wenn sie Nahrung finden, (auch zum Theil solche Blätter, die sie früher verschmähten) einige Mi- nuten lang fort. Später bemerkt man indessen keine durch die Operation direct erzeugte Veränderung des Appetits. lieber]ässt man die Thiere sich selbst, so sieht man, dass sie, sobald sie sich bewegen wollen, einen grösseren Kreis beschreiben, mithin, wenn sie die Bewegung fortsetzen, immer verschiedene Male auf den Ausgangs])unkt wieder zurückkommen. Ist die Verletzung nicht allzu nahe dem Pons Varolii, so befindet sich, wie ich schon in meinen ersten Arbeiten 1844 hervorgehoben, die Lä;igenaxe des Thieres in der Pe- ripherie jenes Kreises. Nur wenn der Schnitt vollständiff ist, wird diese Art der Bewegung anhal- tend und mau kann sie bei demselben Thiere bis in die zweite Woche hinein beobachten. Ist der Schnitt unvollständig und die Lähmung nur durch mechani- sche Ausbreitung des Eingriffs hervorgebracht, so wird der Kreis immer grösser und grösser und endlich geht das Thier wieder in gerader Linie. Die Kichtuno;, in der das Thier dreht, hat zu Controversen Anlass gegeben, indem Longet^ der diese Kreisbewegung nach Durchschneidung der Hirnschenkel zuerst sah, behauptete, das Thier drehe sich nach der Seite der unverletzten Gehirnhälfte hin, was auch mit seiner Theorie einer unvollständigen Hemiplegie als Ursache der Dreliung überein- stimmte. Magendie hatte hingegen nach ähnlichen Verletzungen nur Drehung nach der Seite des Schnittes wahrgenommen. Meme Untersuchungen vermitteln diese Differenz. Vielfach hatte ich schon früher und später Longet's Erfahrungen zu bestätigen Gelegen- heit gehabt. Sie gelten aber nur, wenn der Schnitt in das Gebiet der Hirns^henkel oder des hinteren Dritttheils des Sehhügels fällt, während die Verletzung der vorderen Theile der Sehhügel Drehung nach der Seite des Schnittes bedingt. Fragen wir jetzt nacli der Ursache dieser sonderbaren Erschei- nungen , so müssen wir zunächst die näheren Umstände derselben in's Auge fassen. Denken wir uns, der Schnitt sei durch den Hirnschenkel der linken Seite gegangen, so ist es zunächst ganz offenbar, dass keine Spur von einer Hemi])legie der rechten Körperhälfte vorhanden ist. Bin- det man den linken Vorderfuss in die Höhe, so dauert die Bewegung und zwar mit Hülfe di^s rechten fast ganz unverändert fort. Auffallend ist aber die Stellung des Ko})fes und des Halses. Wenn das Thier ganz ruhig sich selbst überlassen da sitzt und keine Bewegung versucht, so ist in dieser Beziehung zwar kein Unterschied zwischen dem operirten und einem gesunden Kaninchen. Sobald aber seine Aufmerk- samkeit irgend erregt wird, unter Verhältnissen, wo sonst Kaninchen den Kopf etwas heben, sehen wir hier den Koi)f nach rechts sich wen- den und sobald das Thier grössere Anstrengungen macht, wendet sich der ganze Hals nach dieser Seite und der Kopf liegt der rechten Seite der Brust mehr oder weniger an. Die Halswirbelsäule biegt sich bei jeder Thätigkeit, während welcher sie fixirt werden sollte, in horizoa-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21925689_0363.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)