Lehrbuch der Physiologie des Menschen. 1: Muskel- und Nervenphysiologie / von J.M. Schiff.
- Date:
- 1858-59
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Credit: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. 1: Muskel- und Nervenphysiologie / von J.M. Schiff. Source: Wellcome Collection.
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![Es ist ^anz sicher, dass wenn der Oculomotorius im Leben oder un- mittelbar nach dem Tode gereizt wird, eine bedeutende Verengerung der Pupille entsteht. Wird dieser Nerv im Leben durchschnitten, so zeigt sich bald eine sehr ausaesprochene, aber im Verhältniss zum möghchen Maximum massige Ervveiteruno- der Pupille, wenn, und dies ist ein wich- tiger Punkt, noch Lkhlewpjmdung vorhanden ist; wenn also noch ein Opticus nicht durchschnitten oder wenn die centrale Schnittfläche eines Opticus dauernd gereizt ist. Fehlt alle Liehtempfindung, durch vorherige Zerstörung der Optici, so wird die Pupille massig weit und nicht weiter durch die Durchschnei- dung eines Oculomotorius. Hieraus können wir zweierlei entnehmen. a) dass wenn es möglich wäre die Operation in vollkommener Dun- kelheit auszuführen und zu beobachten, sie wahrscheinlich ebenfalls keine Pupillenerweiterung zur Folge hätte. In der That ist die Ditlerenz beider Seiten um so geringer, je weniger hell es ist und sie verschwindet fast schon im Halbdunkel. b) Es geht aber ferner daraus hervor, dass bei Abwesenheit des Lichtes gar keine merkliche Innervation vom Oculomotorius ausgeht, dass dieser Nerv' also nicht wie Budge und Andere es angenommen haben (freilich in einer Zeit, wo der Muskeltonus noch viele Anbänger zählte) beständig im Leben seinem Antagonisten das Gleichgewicht hält, sondern dass im Dunkeln der Sphincter Pu])illae in seiner natürlichen Länge ver- harrt und nur seine elastischen Kräfte geltend macht. Die Verhältnisse des Sphincters können demnach nicht, vvie man noch jüngst geglaubt hat, als Beispiel eines wirklichen Muskeltonus angeführt werden. Die vorübergehende aber starke Verengerung der Pupille, welche bei Kaninchen der Reizung des Trigominns oder seines Augenastes iblgt, und welche nachweislich diese Reizuno einige Zeit überdauert, scheint allerdings von directen zur Iris gehenden motorischen Fäden abzuhängen, die aber nach dem Tode sehr rasch ihre Wirksamkeit verlieren. Ver- engerung erfolgt, wie Budge erwiesen hat, noch vom Trigeminus aus, wenn alle anderen Augennerven durchschnitten sind. Die Zusammen- ziehung kommt ferner langsamer zu Stande, als durch den Oculomotorius. Vielleicht können diese Trigeminusfasern eine sonderbare Beobachtung erklären, die ich an Kaniuelien mit blauer Iris gemacht, bei denen die Pupillenbewegungen energischer vor sich gehen. Es zeigte sich nämlich nach Durchschneidung des Oculomotorius als das Auge nach aussen stand, dass, während es veranlasst wurde, sich noch mehr als gewöhnlich nach aussen zu drehen, die Pupille sich langsam etwas verengte. Auch ohne weitere erkennbare Ursachen wur- den hier noch langsame Schwankungen in der Pupillenweite beobachtet. Eine ähnliche Erscheinung glaubte ich einmal an einem Raubvogel (Pernis apivorus) nach Durchschneidung des Oculomotorius wahrgenom- men zu haben. Es ist noch unbekannt, ob hrim Mcnxchen der Ti-igeminus einen äbnlichen Einfluss, wie beim Kaninchen auf die Piipillenweite ausübt. Die Krankheits- beobacbtungen erlauben keinen Scblnss, da selbst in denjenigen Fällen, wo Lähmung mit einer Pupillcnvcrengerung verbunden war, wenn ihnen auch nicht andere gegenüberständen, keine Folgerung gezogen werden darf, da nach dem Vorgang bei Kaninchen nicht die Lähmung, sondern die Heizung eine mit ihr vorübergehende Verengerung bewirkt.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21925689_0398.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)