Lehrbuch der Physiologie des Menschen. 1: Muskel- und Nervenphysiologie / von J.M. Schiff.
- Date:
- 1858-59
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Credit: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. 1: Muskel- und Nervenphysiologie / von J.M. Schiff. Source: Wellcome Collection.
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![setzen, und die Vermehrung der Herzschläge nach ihrer Durchschnei- dun2; <2:anz und gar unabhängig von einander seien. Ich stützte mich aufgehe seitdem von Armand ^Moreau bestätigte Erfahrung, dass bei Fröschen, an denen die angeblich hemmende Wirkung gerade entdeckt wurde, die Lähmung der Vagi (nach vorgenommener Larjngotomie) den Herzscblag nicht bc^schleunige. Jetzt ist es aber auch gelungen, meine Behauptung selbst an Säugetbieren klar nachzuweisen. Dies fuhrt uns zimächst auf die interessante Frage, von welchem Nerven, ob vom Vagus oder Accessorius die bewegende Wirkung aufs Herz eigentlich ausgelie. Waller hat die Beobachtung gemacht,_ dass, wenn man einem Säugethier beide Accessorii ausgerissen, nach einigen Tagen, wenn die Reizbarkeit der Accessoriusfasern am Halse erloschen ist, galvanische Erregung des Va<ius das Herz nicht mehr zum Stillstande bringt. Ich habe den Versuch mehrmals mit demselben Erfolg wieder- holt. Ich habe gesehen, dass wenn man nur einen Accessorius ausreisst, nur der Vagus der entsprechenden Seite die sogenannte hemmende Wirkung verliert, während sie der andere noch beliält. Dies zeigt nur, dass die Bewegungsnerven des Herzens vom Ilten Hirnnerven kommen. Ich habe nun den Versuch so gemacht, dass ich einige Zeit nachdem beide Accessorii ausgerissen waren, so dass der Vagus nicht mehr im Stande war, auf noch so starken Reiz die Bewegung des Herzens zu hemmen, beide Vagi durchschnitt. Der Herzschlag, vor dem zweiten Versuche normal^ zeigte jetzt die ausserordentliche Frequenz, wie sie nach der Vagusdurchschneidung allgemein wahrgenommen wurde Es ist hier- mit auch zugleich bewiesen, dass es nicht der Wundreiz im peripheri- schen Stück des durchschnittenen Nerven ist, der den Puls ver- mehrt, da doch hier im durchschnittenen Stamm die Bewegungsnerven des Herzens nicht mehr reizbar waren. Einige Zeit nach Durcbschneidung der Vagi hat man eine Herab- setzimg des Druckes im Arteriensystem wahrgenommen. Wenn ein einziger Versuch an einer Ziege, den ich in dieser Beziehung gemacht habe, Zutrauen verdient, so hängt auch diese Verminderung des Druckes von der Lähmung der Accessorii — und nicht des Vagus — ab. Einßuss auf das Verdauungssystem. Von diesem ist nur im Allgemeinen zu erwähnen, dass Reizung des Vagus Bewegungen im Pharynx, (im weichen Gaumen?) im Oeso]>bagus, im Magen und im Darm bewirkt, dass seine Durchschneidung am Halse das Schlingen erschwert, die Bewegungen des Oesophagus bei einigen Thieren (Kaninchen) lähmt, bei anderen (Hund) nur etM'as'beeinträchtigt, was Avabrscheinlich mit der verschiedenen Structur der Muskeln dieses Theiles zusammenhängt; dass die Magenbewegungen in Folge der Vaguslähmung zwar beschränkt, aber nicht notliwendig in dem'^Grade aufgehoben werden, dass die Weiterbeförderung des Chymus in den Darm behindert ist, dass endlich diese Lähmung auf die Bev^-eo-unc des Darmes keinen erkennbaren Einfluss ausübt. Reizung des centralen Endes eines durchschnittenen Vagus bewirkt starke Bewegungen der Bauchmuskeln, welche zu Erbrechen führen können. (Remack.) Erbrechen kann auch noch nach Durchschneidung eines Vagus und zwar sehr häufig nach dem Fressen, dadurch entstehen, dass in Folge des ^) Und dies beweist gerade, dass die Vermelirung des Pulses nach der Durch- Bchneidnng unabhängig ist von der sog. „Hemmungswirkung«, welche hier fehlte.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21925689_0440.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)