Ueber syphilitische Augenkrankheiten : nach Beobachtungen aus der Augenklinik des Prof. Dr. Hermann Cohn in Breslau / von Paul Schubert.
- Schubert, Paul, 1832-1918.
- Date:
- 1881
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Credit: Ueber syphilitische Augenkrankheiten : nach Beobachtungen aus der Augenklinik des Prof. Dr. Hermann Cohn in Breslau / von Paul Schubert. Source: Wellcome Collection.
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![aber doch zuweilen täuschen, wenn er einzig und allein aus einer Periostitis der Tibia, aus einigen geschwellten Cervical- oder Cubitaldrüsen, aus gewissen Formen unvollständiger apo= plectiformer Anfälle auf Lues schliessen würde. Der pathologische Anatom kennt kein characteristisches Merkmal, die rundzellige Infiltration des Primäraffectes oder des Gumma von gewissen Elementen des Granulationsgewebes zu unterscheiden (XI. pg. 393). Das Zusammentreffen einer grösseren oder geringeren Anzahl von Exanthemformen geben dem Einen, die Combination gewisser äusserer Affectionen mit visceralei] Symptomen dem Anderen, die Gruppirung der Geschwulstelemente dem Dritten erst die Möglichkeit, mit einem höheren oder niederen Grade von Wahr- scheinlichkeit den specifischen Character zu vermuthem Bewusste oder unbewusste Wahrscheinlichkeitsrechnung ist in weitaus den meisten Fällen def* WTeg zur Diagnose dieser Krankheit. Es wird also nicht so sehr darauf ankommen, nach einzelnen wenigen aber unfehlbaren Kriterien zu forschen, als vielmehr, nach Euete's und v. Gräfe's Vorbild aus dem Zusammentreffen einer Anzahl von Merkmalen, deren jedes mit einer uns bekannten Häufigkeit sich zur Lues gesellt, den Probabilitätsschluss zu ziehen. Unsere geistigen Vorfahren, ich wiederhole es, versuchten auf dem ersten Wege, zur Diagnose zu kommen. Dass ihnen das im Princip misslang, lag nicht an mangelnder Beobachtungsgabe — in diesem Puncte war die alte Schule uns vielleicht überlegen — sondern zunächst an zu kleinen Beobachtungsreihen, und dann an der Verallgemeinerung ihrer Erfahrungen, an der Vernachlässigung der seltneren, gegentheiligen Fälle, also im letzten Grunde an einem Gedächtnissfehler. Nur die Statistik ist geeignet, hierbei Er- spriessliches zu leisten. Es ist mir durchaus unverständlich, warum Hutchinson in gewissen Fragen zur Statistik ein geringeres Ver- trauen hegt als zur Erfahrung (XXXVII.) Die Statistik ist ja nichts anderes, als eine wissenschaftlich geordnete Erfahrung, geschöpft aus einem ausserordentlich grossen Material, zählend und rechnend, und mathematische Gewissheit setzend an Stelle von Vermuthungen/ Dass die Statistik nicht auf jede, wie immer gestellte Frage be- friedigende Antwort giebt, ist selbstverständlich; doch verliert sie darum ebensowenig an Werth als die Astronomie, welche auf astrologische Fragen schweigt. Es ist nicht Schuld der Statistik, wenn man aus ihren Zahlen Schlüsse zieht, deren Prämissen nach vielen Kichtungen nur unvollständig gekannt sind. Die](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21648955_0016.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


