Klinische Beobachtungen uber die Wanderniere bei Frauen / von Ludwig Knapp.
- Date:
- 1896
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Credit: Klinische Beobachtungen uber die Wanderniere bei Frauen / von Ludwig Knapp. Source: Wellcome Collection.
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![theils physiologischen Vorgängen und Veränderungen des weiblichen Genitalapparates, vor allem des Uterus, suchen zu dürfen. Das überwiegend häufige Vorkommen der Wanderniere bei Frauen weist ja darauf hin, dass bei ihnen im Gegensätze zum Manne Verhält- nisse und Bedingungen gegeben sein müssen, welchen ein wesent- licher Einfluss auf die Entstehung der Nierendislocationen zu- zuschreiben sein dürfte. Die Einschaltung der Gebärmutter zwischen Blase und Mast- darm, die Wechselbeziehungen in Grösse, Form und Lage dieser Organe zu einander, sind im Stände, (pathologische) Lageverände- rungen der Nieren beim Weibe auf rein mechanischem Wege (d. h. durch Vermittlung der Uretheren) herbeizuführen. Dieser meiner Ansicht nach bisher viel zu wenig beachtete und immer noch nicht entsprechend hervorgehobene Umstand hat mich veranlasst, mein Augenmerk in einer grossen Anzahl von Fällen ganz besonders auf den Zusammenhang zwischen verschiedenen, theils als normal geltenden, theils als pathologisch anerkannten Lage- veränderungen der Gebärmutter und denen der Niere, zu richten. Konnte ich dadurch die Zahl der ätiologisch dunklen Fälle von Wanderniere vielleicht nicht unwesentlich beschränken, so bleibt doch auch unter unseren Beobachtungen noch immer eine ansehnliche Zahl von ausgesprochenen Nierendislocationen übrig, ivo kein einziges der im Folgenden zu besprechenden „aetiologischen“ Momente nachgewiesen werden konnte. Wir sind für viele Fälle genöthigt, eine individuelle patho- logische DispositionJ) zu Lageveränderungen der Niere anzunehmen. Dieselbe beschränkt sich entweder nur auf eine mangelhafte An- lage oder erworbene Erschlaffung des Nierenbefestigungsapparates (angeborene Kürze eines oder des anderen Urethers [Nephroptose für sich]), oder erstreckt sich auch auf die Suspensions- und Fixationsapparate sämmtlicher Abdominalorgane (Enteroptose,* 2) Splanchnoptose [Glenard])-, in letzterem Falle ist die Nephroptose als eine specielle Aeusserung der Enteroptose aufzufassen. Die individuelle Disposition ist angeboren, wie eine Beobachtung Stifters lehrt, unter Umständen sogar vererbbar (genannter Autor ’) Senator in Nothnagel, Spec. Pathologie und Therapie, bezeichnet dieselbe als anatomische Disposition; nach dem vorhin Angedeuteten wäre sie für alle Frauen durch die anatomischen Verhältnisse ihres Genitalapparates gegeben. 2) Vgl. Ewald, über Enteroptose und Wanderniere. Berl. klin. Wochen- schrift 1890, p. 277.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21917796_0006.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


