Verbreitungsart der Cholera in Indien : Ergebnisse der neuesten aetiologischen Untersuchungen in Indien / von Max v. Pettenkofer.
- Date:
- 1871
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Credit: Verbreitungsart der Cholera in Indien : Ergebnisse der neuesten aetiologischen Untersuchungen in Indien / von Max v. Pettenkofer. Source: Wellcome Collection.
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![lialtenen Thatsachen der Choleraverbreitung, worunter auch die zeitweise Vorliebe der Epidemien für gewisse Fluss- und Drainage- gebiete gehört, besser verstehen zu lernen, so kann ich doch die Existenz einer Bayer- oder Bickes- Pettenkofer’sclien Theorie nicht anerkennen, weil meine Ansichten denen von Bickes ganz entgegengesetzt sind. Die Ansichten von Bickes haben viel mehr Aehnlichkeit mit den Ansichten von Dr. Snow, dem Schöpfer der Trinkwasser-Theorie, als mit den meinigen, denn Bickes glaubt, nur das Wasser sei Träger des Cholerainfectionsstoffes, das Cho- leramiasma wachse im Wasser, verbreite sich in dem Wasser und durch das Wasser, werde im Wasser genossen und dünste mit dem Wasser aus. Bickes beantwortet in einem besonderen Abschnitte seiner Abhandlung S. 190: „Beobachtungen über die nachtheiligen Wirkungen des Wassers“ — sogar die Frage: „Warum trifft die Cholera hauptsächlich die niedere Volksclasse?“ schon ganz im Sinne von Snow: „Weil jene nichts als Wasser zum Trinken hat, und diese aber dessen wenig oder gar keines, dafür aber Wein, Kaffee, Thee etc. gemessen.“ Bickes erblickt ebenso wie Snow das für Epidemien unentbehrliche örtliche und zeitliche Moment im Wasser, in seinem Genuss als Flüssigkeif oder als Aus- dünstungen. Snow hatte zur Theorie von Bickes nur noch hin- zuzufügen, dass er glaube, die Verpflanzung des Cholerakeimes ins Wasser werde ausschliesslich durch die Excremente Cholera- kranker vermittelt. Nach Bickes verbreiten wesentlich die Fahrzeuge auf Flüs- sen und Canälen „als künstliche Gestade“ die Krankheit nach den einzelnen Ländern der Welt; in stehenden Gewässern finde das Miasma die meiste Gelegenheit und Ruhe zu seiner Verviel- fältigung; im Gebirge gäbe es weniger Cholera, weil es dort auch weniger Sümpfe und schiffbare Flüsse gäbe ]) u. s. w. Wer meine Untersuchungen über die Verbreitung der Cholera 1854 in Bayern im Original kennt, dem können die Beweise nicht entgangen sein, welche ich S. 310 des Hauptberichtes gegen die Verbreitung der Choleraepidemien durch den Lauf der Flüsse, sowie S. 257 gegen den von Bickes als nothwendig angenommenen Einfluss der Sümpfe beigebracht habe. 1) Eine Reihe von anonymen, nur mit S. Unterzeichneten, gut geschrie- benen Artikeln im Sinne der Ansichten von Bickes findet sich in: Allge- meiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen. Jahrgang 1831, Go- tha in den Nummern: 143, 176, 189, 216, 236, 245, 257, 291 und 304.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21994626_0128.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


