Verbreitungsart der Cholera in Indien : Ergebnisse der neuesten aetiologischen Untersuchungen in Indien / von Max v. Pettenkofer.
- Date:
- 1871
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Credit: Verbreitungsart der Cholera in Indien : Ergebnisse der neuesten aetiologischen Untersuchungen in Indien / von Max v. Pettenkofer. Source: Wellcome Collection.
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![keine Rolle gespielt hat, wird viel häutiger erwähnt und für viel wahr- scheinlicher gehalten, als das Gegentheill). Zuletzt lasst Cuning- ham, der Sanitary Commissioner, in seinem Berichte über die Cholera von 1869, S. 55, seine Ansicht dahin zusammen, dass er allerdings auf das Entschiedenste den hohen Werth eines reinen Trinkwassers unter allen Umständen — nicht bloss in Bezug aut Cholera anerkenne, dass er aber keine Beweise für die V erbrei- tuna der Cholera in den Ortschaften habe finden können. Im Gefängnisse zu Amritsar wurde nur gekochtes und filtrirtes Wasser gebraucht, und doch starben 13 pro mille von den Bewohnern des Gefängnisses. Von den Bewohnern der ganzen Stadt starben etwas mehr, 22 pro mille, das darf aber nicht etwa zu Gunsten des gekochten Wassers gedeutet werden, denn es ist eine bekannte Thatsache in Indien, dass in der Regel die Gefängnisse an Cholera verhältnissmässig weniger, als die unteren Classen der freien Be- völkerung zu leiden haben. Cuningham spricht deshalb auch in seinem 6. Jahresberichte2 3) von der vergleichsweisen Immunität der Gefangenen, erklärt sie aber aus der verbesserten Verpflegung, aus der individuellen Disposition. Sein Schlussurtheil ist: „Es giebt keinen «tatsächlichen Beweis, zu zeigen, dass der fernere Fort- schritt der Cholera ausschliesslich oder nur hauptsächlich auf die Einwohner dieses oder jenes besonderen Quartiers, oder aut lei- sonen beschränkt blieb’, welche ihr Trinkwasser von irgend einem besonderen Brunnen beziehen; im Gegentheil, das Specialcomite von Amritsar stellt es als Ergebniss seiner Untersuchungen auf, dass die Cholera während des Monates Juni auf kein besonderes Quartier der Stadt beschränkt war, sondern dass vereinzelte 1 alle in allen Richtungen vorkamen.“ Die Trinkwassertheorie scheint in Indien einen sehr ungünsti- gen Boden und in den dortigen Choleraepidemien ebensowenig Stütze gefunden zu haben, als in den Typhusepidemien derCaserne zu Neustift in Bayern «)• Am unzweideutigsten sprechen die funi- zehn Cholerakarten von Bryclen dagegen, dass die Choleraepide- mien der verschiedenen Districte dadurch entständen, dassüholeia- ausleerungen ihren Weg in das Trinkwasser der einzelnen Oite fänden, dass die Excremente von Cholerakranken und das Trink-] 1) Sixtli Report of the Sanit. Gommiss. p. 2) a. a. O. p. 67. 3) siehe Medical Times and Gazette 1870, Schrift für Biologie Bd. VI, S. 513. 25 bis 29. Nr. 1041 bis 1043 oder Zeit-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21994626_0058.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


